Freitag, 5. Dezember 2014

Die "Plaßmann-Challenge" - auch bei uns ein Beitrag.

Grafik © Thomas Plaßmann
(mit freundlicher Genehmigung für diesen Artikel im Zusammenhang mit der sog. Plaßmann-Challenge von Sende-Zeit

„Christ!? … Ach! Interessant… und was macht man da so?“

Das katholische Weblog aus dem Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg Sende-Zeit hat die "Plaßmann-Challenge" ausgerufen. Ausgangspunkt war das 3. katholische Bloggertreffen in Erfurt und ein Themenimpuls zu Mission bzw. missionarischer Pastoral in unserer heutigen Gesellschaft. Prof. Dr. Sellmann (Pastoraltheologe an der Ruhr-Uni Bochum) brachte den Cartoon “Exoten” von Thomas Plaßmann vor, der zum Aufhänger für diese Challenge wurde. Die Einladung zu einem Gastbeitrag für Sende-Zeit gilt dabei der Frage nach dem, was Christsein ausmacht, was "macht man da so" - als Christ.

Als ich davon las, wusste ich erst nicht, ob ich auch etwas dazu schreiben könnte. Doch dann dachte ich, dass mir diese Frage doch auch ziemlich oft gestellt wird. 

Wenn man als gottgeweihte Person identifizierbar und erkennbar ist (Schleier), dann ist das ja auch irgendwie fast zu erwarten. 
Ich gehöre zur ältesten Form gottgeweihten Lebens in der katholischen Kirche – nämlich zu den „virgines consecratae“ (den „Geweihten Jungfrauen“) – und hier zu den wenigen Ausnahmen, die auch den, bei der Weihe vom Bischof überreichten Schleier, (mit bischöflicher Erlaubnis) tragen. Wir haben kein Kloster, keine ordensähnliche Gemeinschaft mit (Versorgungs)-Struktur etc., sondern jede von uns ist völlig eigenverantwortlich z.B. für die Berufswahl, den Lebensunterhalt, die Altersvorsorge und so weiter. Kurz gesagt stehen wir – jede für sich – voll in der Welt, wie jeder Mensch im zivilen Leben auch – aber eben im gottgeweihten Stand. 

Die Frage der Plaßmann-Challenge ist für mich täglich neu aktuell, denn ich bin beruflich mit vielen Menschen unterschiedlichster sozialer, kultureller und religiöser oder auch nichtreligiöser Bereiche in Kontakt. Die Banalität einer gelangweilten, rhetorischen „Partyfrage“ (Plaßmanncartoon) entspricht zwar eher weniger mein Erfahrungshorizont, aber das Thema an sich ergibt sich doch häufig vor allem in meinem Beruf. Dort sind es dann aber eher ernst gemeinte, echte Nachfragen, denn im Bereich der Palliativ- und Hospizweiterbildung setzen sich die Menschen mit existenziellen Dingen intensiv auseinander – und der Glaube gehört da eben fundamental dazu.

„Christ!? … Ach! Interessant… und was macht man da so?“  
bzw. „Was macht das Christsein aus?“.

Spontan fällt mir dazu ein: 
Man tut, was man kann – aber nie allein und nicht nur für sich, sondern immer (so gut es geht) mit Gottes Hilfe und Gnade – und vor allem in seinem Namen – zu seiner Ehre und uns allen zum Segen. 

Das bedeutet zunächst, dass ich mich in allem guten Tun gestützt und unterstützt und begleitet weiß. Was auch immer ich mache, was auch immer ich plane, da ist der gute Gott bei mir, auf den hin es ausgerichtet ist – und sei es noch so banal oder klein. 
Ich bin nie allein in dem, was ich tue, in der Frage warum ich es mache, wie ich es bewerkstellige. Immer weiß ich mich von Jesus Christus in Dienst genommen und von ihm reich beschenkt und auch begabt. 
Jeder Tag beginnt für mich mit der Tauferinnerung im Zeichen des Kreuzes und im Gebet als Gotteskind. Dadurch verändert sich der ganze Tag, denn er steht dann nicht mehr nur unter meinem Namen, sondern eben „IM NAMEN des VATERS und des SOHNES und des HEILIGEN GEISTES“ und das bekräftige ich täglich mit einem „Amen.“ („So soll es sein!“). 
Wenn ich in der Früh also mit dem Kreuzzeichen beginne und den Tag mit dem Kreuzzeichen abschließe, um mich in diesem Heilszeichen dann auch der wohlverdienten Ruhe der Nacht zu überlassen, dann ist das für mich so, als ob ich ein großes PLUS (+) als Vorzeichen meines ganzen Lebens erneuere.
Jeder weiß, was auf einem Bankkonto das Vorzeichen vor den Zahlen für einen gravierenden Unterschied macht. Ob PLUS oder MINUS – das ist da die alles entscheidende Frage. 
Ich bin nie allein in meinem Tun. Selbst wenn ich gleichsam wieder einmal ins „Minus“ abzurutschen drohe, kann ich auf das unerschöpfliche „Kapital der Gnade“ zurückgreifen, das Jesus für mich am größten PLUS der Welt – am Kreuz – gesetzt hat. 

Zur Frage also, „Christ!? … Ach! Interessant… und was macht man da so?“ kann ich sagen:
Ich mache täglich ein gewaltiges PLUS – durch das, was mir die Gotteskindschaft an Gnadenkapital schenkt, denn was auch immer ich mache – ich tue, was ich kann und vertraue auf Gott, der das ergänzt, was ich eben nicht alleine zustande bringe. :)

Ich bin nicht allein – und mache auch nichts für mich alleine.
Christsein bedeutet für mich, dass man aus dem „Ich-Verkrümmungs-Modus“ durch die Erlösung heraus treten kann, darf, soll und muss. Es ist das Prinzip des Lebens, das sich niemals als isolierte Einzelexistenz definieren lässt. 
Was auch immer mein Tun bewegt, so gebe ich mir Mühe, dass meine Intention immer ein frohes: „Gott zur Ehre und uns allen zum Segen.“ ist. 
Christsein bedeutet für mich, dass alles einen Ewigkeitsbezug haben darf und auch haben soll, damit es in der richtigen Relation zu den normalen, alltäglichen Notwendigkeiten eben einen Unterschied macht, ganz frisch und frei nach Paulus: „Ob ihr also esst oder trinkt oder etwas anderes tut: Tut alles zur Verherrlichung Gottes!“ (1Kor 10,31)
Das ist einerseits ein hoher Anspruch, andererseits aber auch eine unglaubliche Freude, denn damit bekommen selbst die kleinsten Alltagsdinge eine Bedeutung und bleiben nicht in dem engen Bezug stecken, der immer nur zuerst fragt: „Was bringt mir das? Schmeckt mir das und mag ich es gerade? Wie fühle ich mich und was hätte ich gerne? Was kostet es mich und was hab‘ ich davon? …“

Ich glaube, dass es einfach ein Geheimnis der Liebe ist, die Gott mir schenkt und die ein Echo in mir erzeugt – in der Liebe, die zu ihm zurück wachsen will. 
Zur Ehre Gottes und aus Liebe zu ihm – da bekommt alles einen tieferen Wert, der nicht durch Mühe oder Schwierigkeiten gemindert, sondern sogar erhöht wird. 
Zur Ehre Gottes und aus Dankbarkeit ihm gegenüber – da gibt es letztlich nichts, was ich in meinem Christsein nicht bewältigen kann, weil es weit über mich selbst und meine „Kleinkariertheit“ hinausweist und mir seine Hilfe zugesagt ist. 
Zur Ehre Gottes und zum Segen für alle Schöpfung – das ist der Auftrag Gottes an seine Kinder für alles Tun und Mühen. Es ist für mich eine kostbare Gabe, dass ich eben nichts nur für mich alleine machen muss, sondern dass es immer in eine unendlich große Gemeinschaft hineinfinden darf, die dann auch mich trägt, weil sie auf Gegenseitigkeit ausgelegt ist.

Was macht man also so als Christ?
Eigentlich nicht mehr oder weniger als andere Menschen – aber doch macht man es anders, denn all unser Tun hat seinen Ursprung und sein Ziel in Gott.
Ich möchte nochmals Paulus zitieren, der es sehr schön formuliert hat, so als hätte auch ihm damals schon jemand die „Plaßmannfrage“ gestellt. Er antwortet darauf:
„Alles tun wir euretwegen, damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen Gnade den Dank vervielfachen, Gott zur Ehre. Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert. Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit, uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig.“ (2Kor 4,15-18)

Doreén Knopf