Sonntag, 30. November 2014

Adventskranzgedanken

Der Adventskranz - und was er erzählen kann.


Alle Jahre wieder - die erste Kerze wird am ersten Adventssonntag entzündet.

Von Adventgestecken auf Wurzeln bis hin zu Arrangements auf Treppchen, in Schalen, auf Platten oder mit Hilfe der vielfältigen, angebotenen Kerzenhalter - die Kreativität ist sehr groß.
Eines ist aber in den letzten 2 Jahrhunderten fast immer gleich: das Hauptelement, die 4 Kerzen für die vier Adventsonntage. 

Der ADVENT ist eine der beiden "violetten Zeiten" im Kirchenjahr (liturgische Farbe violett) und wird in der Ostkirche auch als "Weihnachtsfasten" bezeichnet.

ADVENT (lat. adventus) bedeutet Ankunft und ist wohl eng mit dem griechischen Begriff der Epiphanie (Erscheinung) verbunden. Es bedeutete Ankunft / Besuch eines Würdenträgers, eines Amtsträgers, wie Könige oder Kaiser. Aber auch die Ankunft Gottes im Tempel wurde so ausgedrückt. (Quelle Wikipedia/Advent)

ADVENTUS DOMINI - wir erwarten als Christen im Advent die Ankunft des göttlichen HERRN und ERLÖSERS, JESUS CHRISTUS - das Hochfest SEINER Geburt - SEIN "Erscheinen", SEIN sichtbares Eintreten als GOTTESSOHN in diese Welt. 

Was viele vielleicht kaum noch wissen oder bedenken: Die Adventszeit ist in Sinn und Wesen eine Fastenzeit, eine Zeit der Vorbereitung, eine Zeit der Besinnung, die als Ziel eine tiefe Herzensumkehr und Bereitung der Seele auf das Kommen CHRISTI sein will. 

Manch einer mag sich fragen: "Warum denn nun schon wieder Fastenzeit? Will uns die Kirche die Adventfreude mit Fasten verderben? Soll das jetzt so eine traurige Sache werden?"
Natürlich nicht! Die Zeit der Umkehr kennt die größte Freude und das Fasten macht uns erst fähig, die Köstlichkeit der Fülle zu schmecken. 
Gerade der feine Unterschied zwischen Werktag und Sonntag ist es doch, zwischen einfach und festlich, zwischen Verzicht und Genuss, ... genau das schenkt uns jenen Kontrast, der die "Eineitssuppe", das "Einerlei des Alltags", das ganz "Normale" zu etwas BESONDEREM macht.

Wenn man eine Hochzeit, ein großes Familienevent oder die Ankunft eines hohen Würdenträgers vorbereitet, dann ist im besten Fall auch schon während der Vorbereitungszeit die Stimmung festlich. Man ist voller Pläne, Ideen und Ziele, die erreicht werden sollen, um diesen Besuch, diesen Anlass möglichst würdig, schön, angemessen und feierlich zu gestalten. 
Aber es wäre irgendwie unangemessen, die Vorbereitungen mit der "Party" selbst zu verwechseln. Man kann zwar "Probe-Essen", aber jeden Tag einen Festschmaus zu halten, Champagner zu trinken und all das üppig zu genießen, was eigentlich für die Feier gedacht ist - dann wäre die Feier am Ende ja nichts Besonderes mehr. 
Man kann nicht gleichzeitig eine Feier vorbereiten und sie schon feiern und genießen. 
Wenn etwas alltäglich ist, ist es eben nichts Spezielles mehr.

Darum sind sowohl in der Fastenzeit als auch im Advent die Sonntage die Highlights - sozusagen die Gelegenheiten für das "Probe-Essen", für die "Generalproben", für eine Einstimmung im besten Sinne, um schon einmal "vorzukosten", was dann am Hochfest in Fülle geschenkt sein will.
Man kann eben auch die Vorbereitung bereits genießen, auskosten und sich wirklich gut einstimmen und alles herrichten, schmücken, ... Auch wenn das Arbeit ist, wenn es Disziplin kostet, wenn es auch so manchen Verzicht erfordert, ... die Feierlichkeit wird nur umso intensiver erfahrbar.

Ein wirklich gelungenes Fest gibt es nicht "Knall auf Fall" mal eben ohne jede Mühe oder Engagement. Selbst Spontanfeiern brauen den Kontrast zum Üblichen, sonst sind es ja keine spontanen Feiern, sondern eben nur ein gewöhnlicher "Feierabend" - ohne wirklichen "Feiercharakter" und ganz ohne Unterschied zum Alltäglichen.

Die Fastenzeit vor Weihnachten und Ostern ist ebenso geprägt. 
Die Stimmung ist nicht traurig (denn Fasten und Vorbereitung sind ja nun wirklich nichts Trauriges!), sondern sie sind in froher Erwartung gespannt und erfüllt von engagierten Plänen, die alles möglichst schön und festlich gestalten wollen. 

Der Adventskranz ist gleichsam so etwas wie ein "Eventplaner", eine Art "Kalender", der uns zeigt, wo wir stehen. 
1. Advent und die 1. Kerze brennt: Einstimmungs- / Anlaufphase. Man geht es langsam aber konkret an.  ("Ist ja noch etwas Zeit")
Die Evangelien mahnen zur Wachsamkeit und weisen darauf hin, dass es notwendig ist, sich zu entscheiden, ob man die Ankunft GOTTES erwarten will, oder sie versäumen / verschlafen wird und dann völlig unvorbereitet ist.

2. Advent und die 2. Kerze brenntEinlaufende Phase mit bereits ersten erreichten Zielen ("Es läuft schon merklicher auf Weihnachten zu").
In den Evangelien hören wir von Johannes dem Täufer, der Umkehr predigte. Johannes ist der Rufer, der die Menschen aus ihrer Schläfrigkeit aufweckt und nach der ersten Woche wird es Zeit, ernst zu machen und die Gnade der Stunde zu erkennen, damit man sie auch nutzen kann.
Advent ist ja zutiefst Zeit der Umkehr. Er schenkt in den Mahnungen des Täufers die große Chance, die eigene Schuld zu erkennen, damit man sie be-kennen kann - und damit fähig wird, auch Vergebung und Heilung zu empfangen.

3. Advent und die 3. Kerze brennt: Hochlaufphase mit erhöhtem Einsatz ("Halbzeit ist ja schon vorbei und die Zeit ist so schnell vergangen"), die Vorfreude ist so groß, dass man den 3. Adventsonntag "GAUDETE" / "FREUT EUCH" nennt.
Nochmal hören wir von Johannes dem Täufer, der die Augen auf das LICHT hin öffnet. Er ist der Wegbereiter, der unbeugsame, aufrichtige Zeuge, der das LAMM GOTTES bekennt, den Blick auf den Messias wendet. Hier strahlt bereits die Verheißung der Erlösung hell auf.

4. Advent und die 4. Kerze brennt: Ziellaufphase mit Feierbeginn "("Mit voller Kraft voraus, es ist soweit") 
Die Evangelien lenken unseren Blick auf Maria, auf die Verkündigung durch den Engel, und den Besuch bei Elisabet. Der ungeborene HERR und das Wunder der Menschwerdung GOTTES leuchten kurz vor dem Hochfest SEINER Geburt nochmals auf.


Jeden Sonntag eine weitere Kerze entzünden. 
Das Licht wird mehr. Die Zeit vergeht. Das Hochfest naht.
Es wird wohl vielen Leuten so gehen, dass man sich plötzlich beim entzünden der nächsten Kerze denkt: "Was? Schon wieder eine Woche vorbei?" 

Das Licht GOTTES scheint immer heller in die Weltnacht. 
Es gibt den Brauch, dass man die Kerzen gegen den Uhrzeigersinn entzündet. Damit verbindet man die Deutung, dass das Licht die Finsternis vertreibt und ihr gleichsam "Kontra gibt", bzw. dem üblichen Lauf der Dinge heilend entgegen tritt. Die Gesetze der Nacht und des Todes werden mit dem Licht Gottes und des Lebens besiegt - nicht auf der Flucht vor ihnen, indem man vor ihnen her oder vor ihnen wegläuft - sondern indem man bewusst die Konfrontation wagt, und mit der Gnade des Heils dem Unheil entgegen tritt und es überwindet. 

Wir haben für die Kerzen die klassischen Farben der Adventliturgie gewählt :
3x violett und für den 3. Sonntag GAUDETE heller - in rosa. 

Darin wird dann schon sichtbar, dass die Freude des Weihnachtsfestes immer näher kommt. Das LICHT, der ERLÖSER naht und das Violett hellt sich auf in einen Rosaton. 
(Es gibt aber auch andere Bräuche mit anderen Farben.)


Der Kranz in runder Form ist ein wunderschönes Zeichen für die Ewigkeit, den Kreislauf des Lebens.
Es gibt auch Adventgestecke auf Wurzeln, die beispielsweise an Jesaja erinnern, an den Spross aus der Wurzel Isais. (Jes 11,10)
Die auch im Winter grünen Zweige können die Lebenskraft, die Hoffnung, das Leben andeuten, das auch den Winter übersteht. 
Ein dezenter Schmuck kündet von der Vorfreude, von der Bereitschaft, das Beste zu geben, das Schönste zu suchen, der Freude Ausdruck zu verleihen, die in der Heiligen Zeit der Erwartung unser Herz erfüllt. (Wir verzichten aber z.B. bewusst auf die große Glitzer- und Lichterdekoration im Advent. 
So sind Heiligabend und das Hochheilige Christfest dann in allem Schmuck wirklich ein Fest, das sich abhebt (und nicht der "Vorabend vom Entfernen der Weihnachtsdekoration", wie das in vielen Haushalten leider üblich ist). 
Bei uns gibt es den großen Weihnachtsschmuck ganz bewusst erst an Weihnachten und der bleibt dann auch bis Epiphanie (6.Jan.) erhalten, auch wenn das die Nachbarn vielleicht komisch finden, die vielleicht sonst bereits zur Jahreswende schon alles weggeräumt haben, um dann die Sylvesterdeko herauszuholen. 

Zu den äußeren Vorbereitungen kommen selbstverständlich auch besonders die "Inneren" dazu. Eine gute hl. Beichte, täglich eine Zeit mit der heiligen Schrift, damit wir das WORT GOTTES auch kennen, um es dann zu er-kennen, wenn ES unter uns ist. 
Es ist die Zeit der Geschenke und auch hier kann man sehr kreativ sein.

  • Ein Zeitgeschenk für GOTT und öfter mal ein Besuch des HERRN in der Kirche und eine Weile Anbetung vor dem Geheimnis SEINER Liebe im Sakrament
  • Eine geschenkte Zeit für Menschen, die allein / einsam sind
  • Ein Geduldsgeschenk in Situationen, wo man auch in Stress die Ruhe bewahrt und so den Frieden in der Umgebung, Geduld mit sich selbst, Geduld mit den Anderen, ...
  • Ein Minutengeschenk - ein kurzes Gebet für Jemanden, ein Innehalten um GOTT zu danken, IHN zu loben, ...
  • Ein kleines Überwindungsgeschenk - wenn man etwas tut, auch wenn es schwer fällt - weil es jemand Anderem etwas leichter, schöner macht, freut oder einfach nur gut tut ...
  • ...
Der Advent ist im Gefühl vieler Menschen eine Zeit voller Widersprüche, Ansprüche, Stress und Erwartung von Gemütlichkeit zu gleicher Zeit.
Wenn wir die heilige Adventszeit im Blick auf die Geburt des ERLÖSERS leben, dann werden wir überall große Chancen und bereits versteckte Überraschungspäckchen der Gnade im Alltag finden - noch eine ganze Weile vor dem großen "Geschenke-auspacken" an Weihnachten.
Das größte Geschenk ist ER und das liebste Geschenk, das ER SICH zum Geburtstag wünscht - sind wir.

(© Michaela Voss)


Adventsgedicht 

"GOTT nahm erbarmend Menschen-Antzlitz an" 


 
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524. In der alljährlichen Feier der Ädventsliturgie läßt die Kirche diese Messiaserwartung wieder aufleben; die Gläubigen nehmen dadurch an der langen Vorbereitung auf das erste Kommen des Erlösers teil und erneuern in sich die Sehnsucht nach seiner zweiten Ankunft [Vgl. Offb 22,17.] 
Durch die Feier der Geburt und des Martyriums des Vorläufers vereint sich die Kirche mit dessen Verlangen: ,,Er muß wachsen, ich aber muß kleiner werden" (Joh 3,30).

1095. Deshalb liest und durchlebt die Kirche besonders in Advent, Fastenzeit und Osternacht alle diese großen Ereignisse der Heilsgeschichte im „Heute" ihrer Liturgie aufs Neue. Das erfordert aber, daß die Katechese den Gläubigen hilft, sich so für dieses „geistliche" Verständnis der Heilsökonomie zu öffnen, wie es uns die Liturgie der Kirche aufzeigt und erleben läßt.

(aus dem Katechismus der Katholischen Kirche)


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