Sonntag, 14. September 2014

Was hat die kupferne Schlange mit dem Kreuz der Erlösung zu tun?

Das Heilige Kreuz - Gottes Kraft und Gottes Weisheit

© Foto: Michaela Voss

Betrachtungen zu den Tageslesungen

Fest Kreuzerhöhung

1. Lesung:        Num 21, 4-9 oder Phil 2, 6-11
Antwortpsalm:  Ps78 (77), 1-2.34-35.36-37.38ab u. 39 (R: vgl. 7b)
2. Lesung:        
Evangelium:     Joh 3, 13-17
Schott 


In der Lesung aus dem Buch Numeri zum Fest Kreuzerhöhung hören wir vom Murren und der Rebellion des Volkes Gottes. Kaum aus Ägypten befreit scheinen sie schon das Elend der Sklaverei vergessen zu haben, jammern, klagen und zweifeln. 
Es ist wie eine böse, alte Gewohnheit: Man ist einfach "aus Prinzip" unzufrieden und will grundsätzlich nicht zuerst das Gute und die Chancen ... suchen, sondern das Negative, Beklagenswerte, ... bejammern. Dabei sind es wohl für die Menschen aller Zeiten immer die gleichen Dinge, an denen sich alles orientiert. 
Das "Warum" richtet sich doch auch in unserem eigenen Leben eher selten nach der ernst gemeinten Frage nach dem Guten oder wie oft fragen wir uns: 
"Warum hat Gott mir so viel Gutes getan! 
Warum darf ich so viel Gutes erleben? 
Wie wunderbar versorgt Gott mich sogar noch in schwierigsten Zeiten? 
Wie oft hat mich Gott schon gerettet und geschützt? 
Wie viele Gefahren hat er schon von mir abgewendet? 
Wie gütig erhält der Herr mir schon so viele Jahre das Leben, damit ich lernen darf, wachsen und reifen, um fähig zu sein, Gottes Herrlichkeit in Ewigkeit zu empfangen? ..." 
Nein - wir fragen viel lieber nach all den Dingen, die wir haben wollen, die uns scheinbar vorenthalten werden... und vergessen all die Wunder, die uns umgeben. 
Es ist wie eine "Infektion mit dem Bösen", wie "Schlangengift", das schon im Paradies zum Sterben führte: Adam und Eva waren umgeben von köstlichsten Früchten, von einer Fülle des Heils, der Schönheit, der Genüsse, ... doch sie wollten das Eine, das nicht erlaubt war und verloren damit all das, was ihnen gehört hatte. 
Sie wollten das Gute nicht verkosten, das sie umgab - sondern verlangten nach dem, was ihnen nicht gehören sollte - und am Ende blieben nur
Disteln, Dornen, Schweiß, Mühe, Schmerz ... und ein langer Weg nach Hause zurück.

Diese Giftschlangen, die "der Herr unter das Volk schickte", sind hier nicht eine Strafe im gewöhnlichen Sinn, wie man vielleicht auf den ersten Blick meint. 
Diese Schlangen sind vielmehr eine "sichtbare Form der tödlichen, unsichtbaren Geschöpfe", die im Herzen der Menschen unsichtbar zubeißen und alles Leben mit ihrem Gift rauben - gemeint sind die "Nattern" der Undankbarkeit, des Neides, der Anklage, des Pessimismus, ...!

Die Schlange als Symbol und Zeichen des Bösen ist hier eine gleichsam "materialisierte Form" der Undankbarkeit des verdrehten und in sich verkrümmten Herzens, das immer nur klagt und anklagt, immer nur nach dem Negativen ausschaut und alles mit dem tödlichen Biss der Unzufriedenheit, des Grolls, der Gier ... vergiftet.

Die Giftschlangen machen eigentlich nur sichtbar und äußerlich erfahrbar, was bereits in den Herzen der Menschen seine lebensfeindliche und zerstörerische Macht unsichtbar entfaltet hat. 
Diese Plage ist also im Grunde keine Strafe sondern eine kostbare Gabe der geheimnisvollen Güte Gottes, die bewusst macht, was sonst weiterhin im Innersten des Menschen verborgen so viel Tod und Unheil bringt. Die Schlangenplage ist wie ein Weckruf, wie ein Alarm.

Die Israeliten hatten die tödliche Gefahr der Undankbarkeit, der Zweifel, der Resignation, und all der im Herzen verborgenen Sünde nicht erkannt. 
Doch jetzt erwacht die Erkenntnis und sie kommen zu Mose mit einem Bekenntnis, das Befreiung erhofft: "Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt. Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit."
Was für ein Augenblick der Gnade! Er-kenntnis, die zum Be-kenntnis führt, zur Umkehr und so zum Leben und zum Heil.

Was in den Schlangen und ihrem tödlichen Gift sichtbar, erfahrbar und begreiflich wurde, das kann nun auch im Herzen Veränderung erfahren. Plötzlich suchen sie das Heil statt der Anklage, die Befreiung statt der Jammerei, eine Heilung statt ständiger Verbitterung im Murren und Klagen, ...

Gott gibt Mose eine wichtige Anweisung, die ebenso bildhaft und symbolisch ist, wie die Schlagenplage selbst:
Er soll eine Schlange anfertigen und sie an einer Fahnenstange aufhängen. 
Das ist jedoch kein Götzenbild sondern soll eine Erinnerung und Mahnung an die Wirklichkeit der Sünde sein. Die äußere Schlange - Bild der Sünde - soll erkannt werden, damit die "innere Schlange" nicht vergessen wird und unerkannt ihr tödliches Gift verbreitet. 
Der Blick auf die äußere Not - soll den Blick für die innere Wirklichkeit der Sünde und der Abwendung von Gott bewahren helfen, damit die Menschen nicht gegen Gott murren, sondern um Hilfe bitten.
Wie oft verschwenden auch wir unser Leben mit Klagen, Bedauern, Undank, Weltschmerz, Neid, Unzufriedenheit, ... statt Gott um Hilfe und Vergebung zu bitten und die Gelegenheiten der Gnade zu nutzen, die jeder Augenblick schenken würde. 
Wenn wir weniger mit dem Bösen beschäftigt wären - wie viel Gnade könnten wir dann statt dessen erfahren? Der Mensch kann nur in eine Richtung blicken - entweder nach oben, oder nach unten ...!
Der Blick auf die Fahnenstange mit der Schlange zeigt etwas Wichtiges: Die Sünde soll unschädlich gemacht und gleichsam "aufgespießt" im gläubigen Bekenntnis der Sünde dem Himmel entgegen gehalten sein. 
Nur so soll sie angeschaut werden: nämlich wenn sie Gott übergeben ist und im Vertrauen und mit der Bitte um seine Vergebung, Erlösung und Hilfe. So verliert das Gift des Bösen seine Wirkung und der Mensch bleibt am Leben - weil die Wunde der Schuld geheilt wird.

Heute soll unser Blick auf das Heilige Kreuz gerichtet werden, das in der Aussichtslosigkeit und Schande, in aller Hoffnungslosigkeit dieses grausamen Zeichens IM GLAUBEN an die Erlösung eine Brücke bildet - hin zum Osterlicht und zur unfassbaren Gnade der Auferstehung in Jesus Christus.
Jesus wurde für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden. (vgl. 2Kor 5,21)
Wenn wir unsere Sünde er-kennen, um sie zu be-kennen, dann verliert das Gift des Bösen seine tödliche Wirkung.
Wenn wir zum Kreuz aufschauen, um dort den Sieg Christi zu sehen, wenn wir im Sakrament um Vergebung bitten und mit ehrlichem Herzen die Sünde offenbaren, dann dürfen wir das Heil erfahren.
Wenn wir aufhören, nur auf das Negative fixiert zu sein, sondern das Böse in einem gesunden, "christlichen Realismus" in der Kraft des heiligen Kreuzes dem Himmel entgegen halten, dann wird das Gift der Sünde und der Not unwirksam und mehr noch - zum Heil in Jesus Christus!

Die Schlange ist aus Kupfer und dieses Metall wird im Alten Testament häufig mit dem Opferdienst in Verbindung gebracht (vgl. Ex 26,11; 36,18 oder 27,2 bzw. 35,24) Beispielsweise war damit der Altar überzogen und verschiedene Geräte für das Opfer daraus gefertigt.
Für uns heute können wir im Neuen Bund eine kostbare Wahrheit in diesen Zeichen finden: Die Sünde und all das Böse soll gleichsam im Opfer der Erlösung "aufgespießt" werden und wenn wir sie im rötlichen Kupferton des Opfer-Glanzes der Erlösungsgnade (an)sehen lernen, werden wir nicht Tod sondern Leben finden.
Wir dürfen in der Umkehr und Versöhnung mit Gott die Fülle des Heils empfangen und das ewige Leben (nicht nur die Rettung des irdischen Lebens).

Wir sind den sichtbaren und unsichtbaren "Giftschlangen" nicht hilflos ausgeliefert, wir brauchen nicht auf die Sünden, die Not, die Dunkelheiten der Welt und ihre Gefahren starren, als hätten wir keinen Erlöser!
Wir dürfen wie Mose dem Auftrag Gottes folgen und das Heilige Kreuz in unserem Leben und auch für das Leben der Anderen aufrichten.
Kreuzerhöhung! Das Zeichen der Erlösung soll über uns leuchten.
Wir dürfen aufblicken zum Heiligen Kreuz und im rötlichen Leuchten der Erlösungsgnade das Heil für uns und die ganze Welt erlangen.
Im Heiligen Kreuz finden wir alle Weisheit Gottes, alle Heilmittel in seiner Barmherzigkeit durch Jesus Christus gegen die Vergiftung durch die Sünde.
Schauen wir oft und gerne auf das Heilige Kreuz!
Betrachten wir unser Leben, die Welt, die Kirche, ... alles im Blickwinkel des Heiligen Kreuzes!
Dann werden wir Leben finden, wo die Welt nur Tod findet, Hoffnung, wo alles hoffnungslos verloren scheint, Rettung, wo alles Unheil mutlos machen wollte, ...

Ave crux - spes unica. (Sei gegrüßt heiliges Kreuz - einzige Hoffnung!)

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(Text und Bilder: © Michaela Voss
Ausschnitt aus dem Betrachtungstext zu Kreuzerhöhung am 14.09.2012 www.evangelium-vom-tag.de)