Mittwoch, 2. Oktober 2013

Schutzengelfest - 2. Oktober

Schutzengelfest im Jahr des Glaubens
Aquarell: Michaela Voss

Wahres und Falsches
über die Heiligen Engel

Die Lehre der heiligen Engel (Angelologie) gehören ganz klar zum Glauben der Kirche. 
"Daß es geistige, körperlose Wesen gibt, die von der Heiligen Schrift für gewöhnlich ,,Engel" genannt werden, ist eine Glaubenswahrheit. Das bezeugt die Schrift ebenso klar wie die Einmütigkeit der Überlieferung." (KKK 328)

Zunächst einmal ist es in unserer Zeit mehr als notwendig, dass man ganz klar sagt, was die Heiligen Engel im christlichen Glauben NICHT sind.

Überall florieren nämlich die absurdesten Vorstellungen von Engeln, die in all ihrer Entstellung einen Höhepunkt in okkulten Praktiken, wie Wahrsagerei finden. Man findet überall und immer mehr Angebote, die behaupten, dass man sich hier wie in einem Supermarkt "Dienstleistungsprodukte" von Engeln kaufen oder verlangen könnte. Wie in so viele Glaubenswahrheiten haben sich hier die Ungeister von Unwissen, von Halbwissen, von Lüge und Verdrehung, von Magie, Aberglaube, New Age, Esoterik und Spiritismus eingeschlichen. 
Eine Klarstellung scheint darum mehr denn je nötig:
  • Die heiligen Engel sind nicht instrumentalisierbar oder für menschlichen Egoismus verfügbar!
  • Die heiligen Engel Gottes sind auch keine süßen Püppchen mit nackigem Popo und lässigem Rüschenkleidchen, die süßlich grinsend und dümmlich aus irgendwelchen Federbergen heraus schauen oder irgendwo kuschelig auf dem Bäuchlein schlafend und nur irgendwie niedlich herumliegen!
  • Die heiligen Engel sind auch keine weiblichen, erotischen Verführungswesen, die mit wallendem Haar und Gewand oder mit üppigen, weiblichen Merkmalen eine zweifelhafte Romantikstimmung aufkommen lassen. 
  • Die heiligen Engel sind keine "Wünsch-Dir-was-Orakel", die man sich nach Belieben über ein zweifelhaftes, esoterisches Medium gefügig machen und befragen könnte.
  • Die heiligen Engel spielen keine Kartentricks und sind auch nicht in der Wahrsagerbranche. ("Engeltarot" ...)
  • Die heiligen Engel sind nicht für unseren Willen und unsere kleinkarierten Wünsche als Dienstboten frei verfügbar und lassen sich auch nicht einfach mal zu jeder Zeit befragen.
  • Die heiligen Engel Gottes lassen sich nicht "channeln", ergreifen nicht Besitz von einem menschlichen Medium, um durch dieses zu sprechen ..., denn Besessenheit gehört ganz klar höchstens zu den Eigenschaften der Wirkweise von Dämonen (gefallene Engel). 
  • Die heiligen Engel sind nicht unserer Willkür unterstellt, so dass man sich erdreisten könnte, ihnen einen Namen zu geben, wie das heute einige Leute tun, um angeblich einen "besseren Draht" zu ihrem Engel zu haben. (So ein Verhalten zeugt nur von einer absoluten Unwissenheit über biblische Grundlagen bzgl. des Wesens, der Aufgabe und der Würde der heiligen Engel, aber auch über die Grundlagen zur Bedeutung von Name und Würde des Namens nach der hl. Schrift!)
  • Die Aufgabe heiligen Engel besteht nicht in erster Linie aus dem Klischee von Pastellbildchen, wo sie Unfälle auf Straßen, Wegen und Brücken verhindern! 

Die Heiligen Engel - christlich und biblisch

Wer sind sie?



Der hl. Augustinus sagt: ,,,Engel‘ bezeichnet das Amt, nicht die Natur. Fragst du nach seiner Natur, so ist er ein Geist; fragst du nach dem Amt, so ist er ein Engel: seinem Wesen nach ist er ein Geist, seinem Handeln nach ein Engel". Ihrem ganzen Sein nach sind die Engel Diener und Boten Gottes. 



Weil sie ,,beständig das Antlitz meines Vaters sehen, der im Himmel ist" (Mt 18,10), sind sie ,,Vollstrecker seiner Befehle, seinen Worten gehorsam" (Ps 103,20).
(Quelle: KKK Nr. 329 )

Aquarell und Gebet: Michaela Voss

In der Bibel:

Etwa 318 Mal finden wir in der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift den Begriff "Engel". Andere Bezeichnungen für diese Boten Gottes (z.B. Kerubim 71x; serafim 2x; Michael 5x; Rafael 14x; Gabriel 4x ...) erweitern diese Zahl selbstverständlich.
Hier wird erkennbar, dass die Heiligen Engel einen nicht unbedeutenden Platz in der Schöpfung Gottes einnehmen und auch von Bedeutung für den Heilsplan mit uns Menschen sind.

Zu Beginn der Heiligen Schrift (im Buch Genesis) bis zum Ende (in der Offenbarung des Johannes) - immer finden wir das Wirken und die Beschreibung der Heiligen Engel, die im Auftrag Gottes eingreifen oder aber ganz und gar im Gotteslob beschrieben werden. 

Das erste Mal begegnen uns die Macht und Gewalt der Heiligen Engel in der Genesis am Paradiesesrand die Kerubim mit einer gewaltigen Aussage der Bibel, die gerade in unseren Tagen von größter Wichtigkeit ist: 
Gott "stellte östlich des Gartens von Eden die Kerubim auf und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten." (Gen 3,24)

Gott ist der "Gott des Lebens", der "Urheber allen Lebens", der "Erlöser des Lebens", das in der Sünde dem Tod verfallen war, ... und Gott lässt den "Baum des Lebens" schützen und bewachen, damit der Mensch nicht alles zerstört und dem Tod überantwortet.
Kerubim, loderndes Flammenschwert - gewaltige Zeugen für den Wert des Lebens und die Kostbarkeit, die so sehr des Schutzes würdig ist, dass Gott hier mächtige Zeichen setzt.

In einer Welt, die jede Achtung vor dem Leben immer mehr verliert und der Bedeutungslosigkeit von augenblicklichen Befindlichkeiten und Zweckmäßigkeiten unterordnet, steht diese Schriftstelle aus der Genesis wie eine leuchtende Mahnung vor uns. 
Der Mensch von heute wagt es, sich am Leben zu vergreifen - am Beginn und am Ende und auch in aller Manipulationssucht mitten im Leben selbst. 
Wir manipulieren und verändern die Grundstrukturen des Lebens, der Schöpferkraft, der Keimkraft, des Wachstums und Reifens, ... bis hin zur Ernte, Wandlung und Heimkehr im Sterben.
Wir zeugen künstlich menschliches Leben und frieren ganze Völker von Menschenkindern im frühesten Stadium ihrer Existenz ein, die nicht "gebraucht werden", die "überzähligen Embryonen"!
Wir entwürdigen den Menschen schon im Anfang seines Lebens und bis zuletzt oft zum Forschungsobjekt, zu einem "wertfreiem Materialpool" und zu einem "Wunschobjekt" in all unserem "Machbarkeitswahn", der nach dem Baum des Lebens greift und nicht merkt, dass man hier die Tore des Todes durchschreitet.

Wenn die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse schon den Tod nach sich zog und Gott zu unserem Schutz vor den Baum des Lebens Kerubim und Flammenschwert gestellt hat - was erwartet den Menschen, wenn er hier versucht am heiligen Wächter und Beschützer des Lebens vorbei nach dem zu greifen, was allein in Gottes Hand geborgen gut ist?

Wenn man auch nur ein wenig diese Passage der Schrift betrachtet, beginnt man zu begreifen, dass die Heiligen Engel alles andere, als kleine, niedliche Putten sind, die in der Kunst zu kleinen Streichen im Kirchenraum gemacht wurden. 

© Michaela Voss 

www.agnus-dei-verlag.de
In der Heiligen Schrift finden sich gewaltige Bilder und Zeichen, die uns offenbaren, dass die Engel Gottes nicht den Vorstellungen unserer Esoterik-besessenen Welt entsprechen. 

Der Katechismus der Katholischen Kirche schreibt in konzentrierter Form über sie z.B.:


331 Christus ist das Zentrum der Engelwelt.
Es sind seine Engel: ,,Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm .. (Mt 25,31). 

Sie sind sein, weil sie durch ihn und auf ihn hin erschaffen sind:



,,Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen" (Kol 1,16).
Sie sind erst recht deshalb sein, weil er sie zu Boten seines Heilsplanes gemacht hat: ,,Sind sie nicht alle nur dienende Geister, ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen?" (Hebr 1,14).



332 Sie sind da, seit der Welterschaffung [Vgl. Ijob 38,7, wo die Engel ,,Gottessöhne" genannt werden.] und im Laufe der ganzen Heilsgeschichte;
sie künden von ferne oder von nahe das Heil in und dienen dem göttlichen Plan, es zu verwirklichen.

Sie schließen das irdische Paradies ab [Vgl. Gen 3,24.],
beschützen Lot [Vgl. Gen 19.],
retten Hagar und ihr Kind [Vgl. Gen 21,17.],
gebieten der Hand Abrahams Einhalt [Vgl. Gen 22,11.],
teilen dem Volk das Gesetz mit [Vgl. Apg 7,53.],
führen das Gottesvolk [Vgl. Ex 23,20-23.],
kündigen Geburten [Vgl. Ri 13.]und Berufungen an [Vgl. Ri 6,11-24; Jes 6,6.],
stehen den Propheten bei [Vgl. 1 Kön 19,5.], um nur einige Beispiele zu nennen. 


Schließlich erscheint der Engel Gabriel, um die Geburt des Vorläufers und die Geburt Jesu selbst anzukündigen [Vgl. Lk 1,11.26.]. 

333 Von der Menschwerdung bis zur Himmelfahrt ist das Leben des fleischgewordenen Wortes von der Anbetung und dem Dienst der Engel umgeben.
Als Gott ,,den Erstgeborenen in die Welt einführt, sagt er: ,Alle Engel Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen"‘ (Hebr 1,6).
Ihr Lobgesang bei der Geburt Christi - ,,Ehre sei Gott .. .,, (Lk 2,14) - klingt im Lobpreis der Kirche weiter.
Sie beschützen Jesus im Kindesalter [Vgl. Mt 1,20; 2,13.19.],
dienen ihm in der Wüste [Vgl. Mk,12; Mt 4,11.],
stärken ihn in der Todesangst [Vgl. Lk 22,43.],
und sie hätten ihn auch - wie einst Israel [Vgl. 2 Makk 10,29-30; 11,8.] - aus der Hand der Feinde retten können [Vgl. Mt 26,53.]. 

Die Engel sind es auch, die ,,evangelisieren" (Lk 2, 10), indem sie die frohe Botschaft der Menschwerdung [Vgl. Lk 2,8-14.] und der Auferstehung [Vgl. Mk 16,5-7.]Christi verkünden.
Bei der Wiederkunft Christi, die sie ankündigen [Vgl. Apg 1,10-11.], werden sie ihn begleiten und ihm bei seinem Gericht dienen [Vgl. Mt 13,41; 25,31; Lk 12,8-9].


Die Engel im Leben der Kirche
334 Bis zur Wiederkunft Christi kommt die geheimnisvolle, mächtige Hilfe der Engel dem ganzen Leben der Kirche zugute [Vgl. Apg 5, 18-20; 8,26-29; 10,3-8; 12, 6-11; 27,23-25.].

335 In ihrer Liturgie vereint sich die Kirche mit den Engeln, um den dreimal heiligen Gott anzubeten [Vgl. MR, ,,Sanctus".]; sie bittet um deren Beistand [So im ,,Supplices te rogamus . ..,, des römischen Hochgebetes, im ,,In paradisum deducant te angeli ...,, der Bestattungsliturgie und auch im ,,Cherubinischen Hymnus" der Liturgie des hl. Johannes Chrysostomus.]und feiert insbesondere das Gedächtnis gewisser Engel (der heiligen Michael, Gabriel und Raphael und der heiligen Schutzengel).

336 Von der Kindheit an [Vgl. Mt 18,10.]bis zum Tod [Vgl. Lk 16,22.]umgeben die Engel mit ihrer Hut [Vgl. Ps 34,8; 91,10-13.] und Fürbitte das Leben des Menschen [Vgl. Ijob 33,23-24; Sach 1,12; Tob 12,12.].
,,Einem jeden der Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen" (Basilius, Eun. 3,1). Schon auf dieser Erde hat das christliche Leben im Glauben an der glückseligen Gemeinschaft der in Gott vereinten Engel und Menschen teil.


Wir brauchen heute eine klare Unterscheidung und ein fundiertes Wissen aus dem Wort Gottes, aus der Lehre der Kirche ... um in unserer Zeit Lüge und Irrtum vom wahren Glauben unterscheiden zu können.  
Das Schutzengelfest im Jahr des Glaubens ist eine Einladung, dass wir Gott danken für den Dienst der Heiligen Engel, die er uns zur Seite stellt.
Es ist eine Aufforderung an uns, dass wir Gottes Gabe und Geschenk im Dienst der Heiligen Engel auch neu kennen lernen und studieren, so dass wir Zeugnis geben können und nicht den Irrungen und Wirren dieser Welt zum Opfer fallen.

Das Jahr des Glaubens lädt uns ein, den Glauben wieder ernsthaft zu erforschen, zu erkennen und aus ihm zu leben, damit wir mit allen Engeln und Heiligen einstimmen können in ein heiliges Lob Gottes, der immer allen Lobes würdig ist - vom Anbeginn der Zeit - bis in alle Ewigkeit.

Heute hören wir im Evangelium vom Schutzengelfest über die Kinder, die Kleinen, die wir nicht verachten dürfen - allein schon, weil ihre Engel stets Gottes Angesicht schauen:

Mt 18, 1-5.10



In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte?

Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte 
und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.

Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte.

Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.

Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.

Denken wir heute also besonders an die Kleinen, die Kleinsten und bitten wir Gott um große Ehrfurcht vor dem Leben, vor der Gabe des Lebens vom ersten Augenblick bis hin zum Augenblick des Todes. 



Gebet zu den Heiligen Engeln für die Kleinsten dieser Welt: 

© Michaela Voss / www.agnus-dei-verlag.de



Ihr Heiligen Engel des allmächtigen Gottes,

sammelt die Völker der Kleinsten, 

all die ungeborenen Menschenkinder dieser Welt

und tragt sie vor das Heiligste Angesicht 
des liebenden Schöpfers:

Sammelt die unzähligen Kinder, die im Mutterleib den Tod finden.
Sammelt all die Kleinen, die im frühesten Stadium ihres Lebens 
zu einer Existenz zwischen Leben und Tod verurteilt sind, 
die als eingefrorene Embryonen weder leben noch sterben dürfen 
und deren Seele keinen Frieden findet.

Ihr Heiligen Engel des allmächtigen Gottes,
sammelt die Völker der Kleinsten, 
all die ungeborenen Menschenkinder dieser Welt
und tragt sie vor das Heiligste Angesicht 
des himmlischen Vaters:

Sammelt all die vergessenen Menschenkinder, 
die für die Wissenschaft und den Egoismus künstlich gezeugt, 
so vielfältig missbraucht und dann "entsorgt" / getötet werden, 
und tragt ihre Not ins Herz des Erlösers,
dass der Herr und Heiland ihnen Trost und Helfer sei.

Ihr Heiligen Engel des allmächtigen Gottes,
sammelt die Völker der Kleinsten, 
all die ungeborenen Menschenkinder dieser Welt,
und tragt sie vor das Heiligste Angesicht 
des lebendigen Gottes:

Sammelt all die Völker von Lebenden und Toten, 
die der Herr selbst heute zu sich ruft 
© Michaela Voss
und bringt sie zum Thron der Gnade
vor das Lamm Gottes, 
von dem alle Rettung kommt. 

Ihr Heiligen Engel des allmächtigen Gottes,
sammelt die Völker der Kleinsten, 
all die ungeborenen Menschenkinder dieser Welt
und tragt sie auf starkem Arm 
aus allen Himmelsrichtungen 

auf die Fürsprache Mariens, der himmlischen Mutter, 
zu den Pforten des Heiles: dem geöffneten Herz des Erlösers,
in der Vollmacht des Heiligen Geistes
vor das heiligstes Angesicht des ewigen Vaters,
zum liebenden, heiligen, dreifaltigen Gottes,
denn in ihm ist das Leben, das Heil und alle Hoffnung!

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

(© M. Voss 

Gebetsfaltblatt kostenlos unter: www.prominimis.de)