Freitag, 7. Juni 2013

Herz-Jesu-Fest im Jahr des Glaubens

Wüger Steiner Herz-Jesu-Bild
Gabriel Wüger [Public domain], via Wikimedia Commons

Das Herz Gottes - Porta Fidei - heilige Tür des Glaubens

Nicht süßer Kitsch für schlichte Gemüter, sondern Weg zum innersten Geheimnis Gottes. 

Die Herz-Jesu-Verehrung wird häufig und zu unrecht auf eine süßlich-religiöse Frömmigkeitsform reduziert, die man eher den schlichten Gemütern zuordnet. 
Dazu tragen sicherlich manche pastellfarbenen Abbildungen bei, die in eben dieses Schema passen, das auf manche Menschen sogar fast abstoßend wirken mag. 

Das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu will und kann uns ins Zentrum der Heilsgeheimnisse führen, weil es im Bild darstellt, was unfassbar in seiner Wirklichkeit ist:
Die Liebe Gottes! Im Bild des Herzens zeigt sich in vielfältiger Weise die göttliche Liebe, die sich offenbart, alles am Leben erhält. 


Wer überheblich lächelnd die Herz-Jesu-Verehrung abtut, kennt sie in Wahrheit nicht!
Man kann sicherlich über einige Ausdrucksformen unterschiedlicher Ansicht sein, nicht jedoch verallgemeinernd aus meist mangelnden Wissen und mangelndem, eigenen Interesse oder Bemühen um Vertiefung des Glaubenswissens ... eine allgemein ablehnende Haltung zum Maßstab nehmen und die Herz-Jesu-Verehrung als unwichtig, kitschig, frömmlerisch, veraltet etc. abtun.


Das Jahr des Glaubens ist eng mit dem Aufruf zur Neuevangelisierung verknüpft. 
Gerade darum ist das Hochfest des Herzens Jesu ein Schlüsselfest im Jahr des Glaubens, denn die Heilige Schrift offenbart uns, was wir im Sinnbild des Herzens ehren. Im Wort Gottes ist der Bund sichtbar, der Liebesbund zwischen Schöpfer und Geschöpf - durch die Erlösung in Jesus Christus.

Im Katechismus der Katholischen Kirche finden wir dazu wertvolle Hinweise und Leitlinien im Blick auf die Heilige Schrift im Zusammenhang zum Herzen Jesu / zum Herzen Gottes: 


"Wie unterschiedlich auch die Bücher sind, aus denen sie sich zusammensetzt, bildet die Schrift doch eine Einheit aufgrund der Einheit des Planes Gottes, dessen Zentrum und Herz Jesus Christus ist. Seit seinem Pascha ist dieses Herz geöffnet:
„Unter ‚Herz Christi‘ ist die Heilige Schrift zu verstehen, die das Herz Christi kundtut. 
Dieses Herz war vor der Passion verschlossen, denn die Schrift war dunkel. Nach der Passion aber ist die Schrift geöffnet, damit diejenigen, die sie jetzt verstehen, erwägen und unterscheiden, wie die Weissagungen auszulegen sind“ (hl. Thomas v. A., Psal. 21, 11)."  
(KKK Nr. 112Hervorhebungen durch die Autorin) 

In Jesus Christus ist die vollkommene Selbstoffenbarung Gottes für uns Menschen geschenkt und die Heilige Schrift ist Zeugnis dieser Offenbarung. Sie ist das Herzstück unserer Verkündigung und ihr entströmt uns im Geist Gottes die Quelle des Lebens im Wort. 

Wenn wir das Heiligste Herz Jesu betrachten meint das, dass wir das Innerste Geheimnis Gottes schauen wollen, der LIEBE in die Augen blicken, uns von Herz zu Herz begegnen dürfen.
Das Heiligste Herz Jesu zu betrachten bedeutet, Gottes Liebe und Zuwendung ernst zu nehmen und dieser Liebe mit Ehrfurcht und tiefster Dankbarkeit zu begegnen.
So sehr auch manche Andachtsformen in diesem Bereich vielleicht nicht dem eigenen Stil entsprechen mögen, so sehr wäre es doch unfassbar dreist, respektlos, lieblos und verachtend, würden wir das Geheimnis des göttlichen Herzens allgemein gering schätzen und es mit abwertenden Begriffen betiteln.
Das Herz-Jesu-Fest verdient alle Ehre - denn es ist ein Hochfest, das uns in besonders menschlich erahnbarer Weise an die unbegreifliche Liebe Gottes erinnert, die Mensch wurde, damit der Mensch wieder am göttlichen Leben teilhaben kann.
Das Herz Gottes - im menschgewordenen Gottessohn - ist die heilige Pforte, die heilige Türe, das Himmelsportal, die geöffnete Schleuse der Gnadenflut, das fassbare Zeichen der unfassbaren Gnade, die uns aufnimmt, wenn wir die ERlösung annehmen.


Präfation Heiligstes Herz Jesu (Schott Messbuch)


"In Wahrheit ist es würdig und recht, Dir, Allmächtiger Vater zu danken und Dich mit der ganzen Schöpfung zu loben durch unsern Herrn Jesus Christus. Am Kreuz erhöht, hat er sich für uns dahingegeben aus unendlicher Liebe und alle an sich gezogen. Aus seiner geöffneten Seite strömen Blut und Wasser, aus seinem durchbohrten Herzen entspringen die Sakramente der Kirche. Das Herz des Erlösers steht weit offen für alle, damit sie freudig daraus schöpfen aus den Quellen des Heiles. Durch ihn rühmen Dich Deine Erlösten und singen mit den Chören der Engel das Lob Deiner Herrlichkeit. Heilig, Heilig, Heilig ..."



Herz und was man damit alles in Verbindung bringen kann - allein schon im Wort selbst:

Herz-Stück des Glaubens, Herz-Mitte, Herz Gottes, Herz Jesu, Herz der Kirche, Menschenherz,   geöffnetes Herz, schlagendes Herz, zerrissenes Herz, dornengekröntes Herz, Herzensthron, Barm-Herz-igkeit, Herzensgüte, Herzschlag, Herzschmerz,  gebrochenes Herz, blutendes Herz, Herzklopfen, Herzflimmern, Herzstillstand, Herzlichkeit, Herzlosigkeit, 
kaltherzig, halbherzig, hartherzig, herzzerreißend, gutherzig, weichherziggroßherzig, offenherzig, herzig, beherzigen, ... 

Die Verehrung des göttlichen Herzens Jesu wurzelt in der Ehre, die Gott gebührt und will Frucht bringen in den Gaben des Heiligen Geistes, die uns für den Aufbau des Leibes Christi geschenkt sein wollen.
Herz-Jesu-Verehrung, das ist keine fromme Randerscheinung in der Kirche, sondern Ausdruck der zentralen Verehrung, die Gottes würdig ist, weil sie die Liebe Gottes zu uns Menschen in besonderer Weise ehrt, dankbar verkündet und um Buße bemüht ist, für all den Mangel an Antwort auf dieser göttlichen Liebe und allen Frevel an ihr, die gerade heute auch mit Füßen getreten und verachtet ist. 

Wir missbrauchen heute die Barmherzigkeit Gottes oft in einer "Schmerzpflaster-Theologie" zu einer billigen Ausrede für eine mangelnde Einsatzbereitschaft, für eine schnelle Begründung von Sünde, damit wir sie nicht beim Namen nennen und umkehren müssten, oder um unsere fehlende Ernsthaftigkeit gegeüber dem großen Anspruchs des Evangeliums zu übertünchen. 
Wir "trösten" uns in dieser modernen "Schmerzpflaster-Theologie" ganz schnell über jeden Anspruch hinweg, der Opfer, Umkehr, Buße und klares Bekenntnis fordern könnte, oder echten Handlungsbedarf unter persönlichem Einsatz hätte. 
"Der liebe Gott wird es schon richten." "Der liebe Gott ist doch barmherzig, das ist also alles nicht so schlimm." "Der liebe Gott wird alle Menschen retten und man darf das alles nicht so streng sehen." ...
Die Liebe Gottes hat wirklich alles getan, gibt sich in unbegreiflicher Weise hin, hat sich im Wortsinn das Herz aufreißen lassen, um uns zu zeigen, wie sehr Gott uns liebt.
Wie sehr verdient diese Liebe, dass man sie ehrfürchtig betrachtet, ernst nimmt und eine angemessene Antwort darauf sucht. 


SCHREIBEN VON JOHANNES PAUL II. 
ANLÄSSLICH DES 100. JAHRESTAGES DER WEIHE DER MENSCHHEIT AN DAS HEILIGSTE HERZ JESU 
unter 2.: 
... Die Betrachtung des Herzens Jesu in der Eucharistie wird die Gläubigen dazu anspornen, in diesem Herzen nach dem unerschöpflichen Geheimnis des Priestertums Christi und der Kirche zu suchen. In Gemeinschaft mit ihren Brüdern und Schwestern können sie so die spirituelle Sanftheit der Liebe an ihrer Quelle selbst kosten. Es wird jedem Menschen geholfen, die eigene Taufe neu zu entdecken, damit er sich ihrer apostolischen Dimension, die in der Verbreitung der Liebe und in der Evangelisierunssendung gelebt werden muß, besser bewußt wird. 
Jeder wird noch eifriger zum Herrn der Ernte beten (vgl. Mt 9,38), damit er der Kirche »Hirten nach seinem Herzen« (vgl. Jer 3,15) gewähre, die Christus, den Guten Hirten, lieben, ihr eigenes Herz nach dem Abbild seines Herzens gestalten und bereit sind, in die Straßen der Welt hinauszugehen, um allen Menschen zu verkünden, daß er der Weg und die Wahrheit und das Leben ist (vgl. Pastores dabo vobis, 82). Dazu wird sich eine tätige Mithilfe ergeben, damit auch viele Jugendliche von heute, die der Stimme des Heiligen Geistes folgsam sind, so ausgebildet werden, daß sie die großen Erwartungen der Kirche und der Menschheit im Innersten ihres Herzens erklingen lassen und der Einladung Christi folgen, um sich mit ihm, voller Enthusiasmus und Freude, »für das Leben der Welt« (Joh 6,51) zu weihen. 
  
unter 3.: 
In der Herz-Jesu-Verehrung hat das prophetische, vom Evangelisten Johannes zitierte Wort Form angenommen: »Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben« (Joh 19,37; Sach 12,10). Es ist ein kontemplativer Blick, der sich darum bemüht, in das Innere der Empfindungen Christi, wahrer Gott und wahrer Mensch, einzudringen. In dieser Verehrung bestätigt und vertieft der Glaubende die Aufnahme des Geheimnisses der Menschwerdung, die das Wort mit den Menschen solidarisch und zum Zeugnis dafür macht, daß Gott den Menschen sucht. Diese Suche entspringt dem Innersten Gottes, der den Menschen »von Ewigkeit her in dem Wort liebt und ihn in Christus zur Würde der Sohnschaft erhöhen will« (TMA, 7). Gleichzeitig erforscht die Herz-Jesu-Verehrung das Geheimnis der Erlösung, um darin die Dimension der Liebe zu entdecken, die sein Heilsopfer beseelt hat.
 (Hervorhebungen durch die Autorin)

Im Katechismus der Katholischen Kirche finden sich weitere kostbare Impulse zur Herz-Jesu-Verehrung: 
Das Herz des menschgewordenen Wortes
Jesus hat während seines Lebens, seiner Todesangst am Ölberg und seines Leidens uns alle und jeden einzelnen gekannt und geliebt und sich für jeden von uns hingegeben: Der „Sohn Gottes“ hat „mich geliebt und sich für mich hingegeben“ (Gal 2, 20). Er hat uns alle mit einem menschlichen Herzen geliebt. Aus diesem Grund wird das heiligste Herz Jesu, das durch unsere Sünden und um unseres Heiles willen durchbohrt wurde4, „als vorzügliches Kennzeichen und Symbol für jene . . . Liebe angesehen, mit der der göttliche Erlöser den ewigen Vater und alle Menschen beständig liebt“ (Pius XII., Enz. „Haurietis aquas“: DS 3924) 
(KKK 478) 

Das Gebet der Kirche ehrt und verehrt das Herz Jesu, wie es seinen heiligsten Namen anruft. Die Kirche betet das menschgewordene Wort und sein Herz an, das sich aus Liebe zu den Menschen von unseren Sünden durchbohren ließ. Das christliche Beten folgt im Kreuzweg gern dem Erlöser nach. Die Stationen vom Prätorium bis Golgota und bis zum Grab kennzeichnen den Weg Jesu, der durch sein heiliges Kreuz die Welt erlöst hat. 
(KKK 2669)

Aus dem Handbuch für Ablässe 
"Demjenigen Christgläubigen, der das Sühnegebet (Liebreicher Jesus [Iesu dulcissime]) öffentlich (in Gemeinschaft) am Herz-Jesu-Fest betet, wird einen vollkommenen Ablass gewährt; in anderen Fällen wird ein Teilablass gewährt.

IESU DULCISSIME
(V) Liebreicher Jesus, dessen übergroße Liebe zu uns Menschen mit so viel Gleichgültigkeit, Nachlässigkeit, Verachtung und Undank vergolten wird, siehe, wir werfen uns hier vor deinem Altare nieder, um die frevelhafte Kälte der Menschen und das Unrecht, durch einen besonderen Ehrenerweis wieder gutzumachen.

(A) Eingedenk jedoch, dass auch wir an diesem Unrecht nicht unbeteiligt waren, und durchdrungen von tiefen Reueschmerz, erflehen wir vor allem deine Barmherzigkeit für uns selber.

(V) Wir sind bereit, nicht nur unsere eigenen Sünden durch freiwillige Buße zu sühnen, sondern auch die Sünden jener, die weit vom Wege des Heiles abirren, die, in Unglauben verstockt, dir als Hirt und Führer nicht folgen wollen oder ihre Taufgelübde treulos missachten und das Süße Joch deines Gesetztes zu tragen sich weigern.

(A) Wir nehmen uns fest vor, alle diese beklagenswerten Vergehen zu sühnen.

(V) Insbesondere aber wollen wir gutmachen: alle Unehrbarkeit und Unsittlichkeit im Leben und Treiben, wodurch so viele unschuldige Seelen ins Verderben gezogen werden, die Entheiligung der Sonn- und Feiertage, die schimpflichen Schmähungen gegen dich und deine Heiligen, die Beschimpfungen deines Stellvertreters uns des Priesterstandes, ferner die Entweihung des Sakramentes deiner göttlichen Liebe durch Nachlässigkeit oder schädliche Sakrilegien, endlich die öffentlichen Vergehen der Völker, die sich den Rechten und Lehren der von dir gestifteten Kirche widersetzen. Könnten wir doch diese Sünden mit unserem Blute tilgen! Um indes für die Verletzungen der Ehre Gottes einigermaßen Sühne zu leisten, bieten wir dir jene Genugtuung an, die du selber einst Kreuz dem Vater dargebracht hast und noch täglich auf den Altären erneuert, in Vereinigung mit der Genugtuung deiner jungfräulichen Mutter, aller lieben Heiligen und frommen Christgläubigen.

(A) Ernstlich geloben wir, die Sünden, die wir und andere begangen haben, sowie die Vernachlässigung deiner großen Liebe wieder gutzumachen durch Festigkeit in Glauben, Reinheit im Lebenswandel und vollkommene Beobachtung des Gesetzes deines Evangeliums, besonders des Gebotes der Liebe, soviel wir mit dem Beistand deiner Gnade vermögen.

(V) Auch wollen wir uns nach Kräften bemühen, in Zukunft alle Beleidigungen von dir fernzuhalten und möglichst viele Menschen zu deiner Nachfolge zu bewegen.

(A) Wir bitten dich, o gütigster Jesus, du wollest durch die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria diese unsere freiwillige Huldigung und Sühne wohlgefällig aufnehmen. Bewahre und durch die große Gnade der Beharrlichkeit in der treuen Hingabe an deinen Dienst, bis wir endlich alle zu jenem Vaterland gelangen, wo du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebst und herrschest, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen 
(Quelle: Handbuch der Ablässe / 2008 Deutsche Übersetzung des Enchiridion Indulgenatiarum. Normae et concessiones. Editio quarta; LIBRERIA EDITRICE VATICANA 1999)