Donnerstag, 14. März 2013

KOMMENTARE - KOMMENTARE

Der neue: "Den kennen wir doch" - und - 

Was wir wirklich wissen - ist immer zu wenig.

© Michaela Voss

Kaum ist das Konklave zusammen gekommen, wird unsäglich viel kommentiert, selbst dann, wenn über die wirklichen Vorgänge gar keine Informationen zur Verfügung stehen (dürften). 
Kaum ist der weiße Rauch verflogen und der Name des neuen Papstes verkündet, meint jeder, dass sein Kommentar gefragt ist. 
Hallo Leute - ich weiß auch was: Das ist ja der "Den kennen wir doch"! Und woher kennt man ihn? 
Ach ja, aus Medienberichten, aus dem Internet, aus Zeitungen, aus Kommentaren von Kommentatoren, die Kommentare gelesen und gehört haben und dann wieder kommentierten, ...?
Der neue "Den kennen wir doch" wird aus Vergangenheitsgeschichten und Zukunftsprognosen zusammen geschraubt. 
Der Ärmste! 

Dann kommen ja noch die Accessoires der vielfältigen Wunschlisten dazu - schließlich soll er ja der "Den kennen wir doch" sein, selbst auf die Gefahr hin, dass er uns überraschen könnte. 
Das haben wir aber natürlich auch eingeplant, Überraschungen sollten niemals überraschend kommen, sondern immer schon voraus gesehen werden, denn schließlich "kennen wir das doch".


Wir sind über alles erhaben, wollen alles kontrollieren, kommentieren, wollen informiert dann neu zusammen reimen, und das Unbekannte wenigstens interpretieren, wenn wir es schon nicht verifizieren können, ...
so doch zumindest validieren, überprüfen, unter die Lupe nehmen.

Man muss doch sicherheitshalber alles prüfen, checken, testen, und durchgehen, damit man dann umso mehr in diffusen, unbestimmten und umso prophetischer klingenden Mutmaßungen schwelgen kann, als die Prognosen und Kommentare zumindest ein Gefühl von Wissen und Macht vermitteln, wo wir uns einfach vor einem Geheimnis wiederfinden: dem Geheimnis einer Person und dem Geheimnis der Gnade Gottes, die im Menschen wirken will.

Man darf wahrhaft staunen, wie viele selbsternannte Propheten und Spezialisten sich nun wieder einmal erheben und ihre Meinungen verkünden. 

Man darf ernsthaft staunen über das zweifelhafte Selbstbewusstsein der Leute, die sich anmaßen, immer und zu jeder Zeit alles kommentieren oder gar beurteilen zu können, wenn nicht sogar schon in die Zukunft blicken.

Man darf sich wirklich wundern und wohl auch erschüttert sein, über die Sucht der Menschen, sich im vorschnellen Urteil zum Richter und Propheten zu erheben - in all den Kommentaren, die so viel zu wissen vorgeben - und so wenig mit Gott zu rechnen scheinen. 

Wo ist die angemessene Ehrfurcht vor dem innersten Geheimnis jeder Seele, 
die Gottes Abbild tragen darf und die man erst in Gottes Angesicht wahrhaftig erkennen wird - nicht aus Zeitungen, Berichten, Interviews und schlauen Sprüchen, die sich erdreisten, einen Menschen zu durchschauen und ihn zu verkaufen - als könne man ihn genau abwiegen, vermessen, verpacken und dann portionsweise anbieten ...!

Das Jahr des Glaubens ist hier wohl ein Maßstab, der ganz neue Maßeinheiten setzen kann.
Der Glaube orientiert sich an Gottes Geheimnis und Offenbarung - nicht an Medienrummel und Meinungen.
Der Glaube orientiert sich an Gottes Macht und Herrlichkeit - nicht an menschlichen Wachstumsphasen und deren Unzulänglichkeiten.
Der Glaube orientiert sich an Gottes Gaben und Wundern - nicht an menschlichen Schwächen und Fehlern.
Der Glaube weiß um die Gnade der geheimnisvollen Wandlungskraft im Wunder der Erlösung - und lässt sich nicht von angeblichen Tatsachen aufhalten, die sich nur am Augenblick festkrallen.

Im Jahr des Glaubens - das Maß des Glaubens neu entdecken!
Das Maß des Glaubens, das immer zuerst nach Gottes Plan fragt - nicht nach dem Plan der Welt.
Das Maß des Glaubens, das immer zuerst um Gottes Gnade bittet, auf Gottes Hilfe baut, Gottes Willen in Ehrfurcht sucht und alles vom Herrn erwartet, erbittet, empfängt und ihm zurück gibt, ...!

Gott schenke die Gabe der heiligen Ehrfurcht, die fähig ist, Wunder zu erleben und der Wahrheit zu begegnen, die sich nicht in Kommentaren und Meinungen einsperren lässt, sondern sich offenbart, wo der Mensch aufblickt zum Herrn, der über allem herrscht und in dessen guten Vaterhänden alle Weltzeit geborgen ist.

Ich wünsche mir das auch für diesen Kommentar - der auf der Suche ist, nach der rechten Haltung, der rechten Blickrichtung und einem Verhalten, das als Maß den Himmel kennt und nicht feststeckt in den Süchten und Bedürfnissen dieser Zeit.


Eine Stelle im Evangelium scheint hier richtungsweisend, in der die Leute auch meinten, Jesus zu kennen und sich in ihren Kommentaren so verstrickten, dass sie unfähig wurden, die Wunder zu erleben, die Jesus sonst überall tat: 
"Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder? Leben nicht alle seine Schwestern unter uns? Woher also hat er das alles? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat und in seiner Familie. Und wegen ihres Unglaubens tat er dort nur wenige Wunder." (Mt 13,55)

Auszug aus der Betrachtung von www.evangelium-vom-tag.de

"Jesus ist dort nicht Jesus - sondern er ist der "Den-kennen-wir-doch".
Niemand hat jene heilige Ehrfurcht vor dem Geheimnis Gottes, die erkennen könnte, dass Jesus mehr ist, als nur der vorschnell bekannte "Den-kennen-wir-doch".

Wie oft urteilen wir über Menschen, die wir zu kennen glauben und verachten das heilige Geheimnis Gottes, das in jedem Menschen ein verborgenes Wunder vor den Blicken der Welt schützt! Was wissen wir wirklich voneinander?
...

Hätten wir Saulus jemals eine Chance gegeben, solange das Geheimnis der Gnade noch nicht vollendet war? Hätten wir ihn jemals soweit kommen lassen, dass er zu Paulus hätte werden können? 
Hätten wir im "Lotterleben" eines heiligen Augustinus oder eines Franziskus jene Ehrfurcht gekannt, die das Geheimnis der Gnade bereitet hat? 
Hätten wir die Wunder der Heiligen erleben können, oder wären wir mit unseren Vorurteilen und unserer respektlosen Ignoranz der verborgenen Gnade gegenüber zu "Mördern" der Gnade geworden, noch bevor sie zum Vorschein hätte kommen können?
Wie oft haben wir durch unsere Ignoranz und negativen Festlegungen ... die Gnade in unseren Kindern, in unseren Mitmenschen schon "den Abhang hinab gestürzt", weil wir ohne Ehrfurcht vor Gottes Wirken einfach nur den Augenblick aus den Urteilen Vergangenheit bewertet haben, statt der Gnade den Vorzug zu lassen, damit sie wachsen und sich entfalten kann?

Heute ruft uns Jesus gleichsam zu: 
"Ihr seht nicht das verborgene Wunder der Gnade - darum könnt ihr auch keine anderen Wunder mehr sehen! 
Ihr habt keine Ehrfurcht vor der heiligen Würde und dem Geheimnis Gottes im Herzen des Anderen, weil ihr nach dem Augenschein richtet und euer Urteil vorschnell und ohne die Wahrheit fällt - darum könnt ihr auch nicht erfahren, wie die Gnade wahre Wunder der Reife und des Heiles wirkt!
Ihr meint alles zu wissen und verschließt eure Herzen in Vorurteilen und menschlichen Urteilen - darum kann die Gnade nicht bis zu euch durchdringen und ihr erlebt nicht, was euch sogar vorzugsweise geschenkt sein wollte, weil ihr dem Wunder am nächsten gestanden wärt und die Gnade unter euch gewohnt hat.
Ihr wollt nur schöne Worte, die euch schmeicheln und euch nach den Mund reden, damit ihr euch noch mehr überheben könnt und alles eurem Urteil unterwerft - darum könnt ihr die Wunder des Heiles nicht mehr erleben, die in wahrer Betroffenheit durch die heilige Wahrheit in euch zu tiefer Reue und Umkehr führen wollten, um euch im Tiefsten zu erneuern und zu heilen!
Ihr habt die Gnade mitten unter euch - und doch empfangt ihr sie nicht!
Ich wohne und lebe mitten unter euch - aber ihr ignoriert mich!
Ich warte täglich in der Kirche im Geheimnis meiner Liebe auf euch - aber ihr kommt nicht.
Wunder der Gnade warten auf ein Herz voller Glauben!"

...

Gebet: 
HERR, lehre uns
zuerst nach DIR zu fragen,
zuerst nach DIR zu suchen!
HERR, lehre uns DIR gehorchen, 
auch wenn DEIN Plan unbegreiflich scheint.
HERR, lehre uns DIR vertrauen, 
und DEINEM Wort in DEINEN Bevollmächtigten.
HERR, lehre uns Ehrfurcht
vor dem Geheimnis des Priestertums,
vor der Vollmacht DEINER Gesalbten,
vor einander!

HERR, lehre uns die heilige Ehrfurcht 
vor dem Geheimnis der verborgenen Gnade im Anderen
denn groß sind die Wunder, 
die DU offenbarst, 
wenn wir nach DIR ausschauen
und nicht nach dem Augenschein 
und unserer blinden Weltsicht urteilen.

Wasche uns im Sakrament der Buße rein!
Heile uns von aller Sünde und ihren Folgen!
Öffne unser Herz, damit die unzähligen Wunder,
die uns Tag um Tag geschenkt sind,
unseren Glauben stärken,
Zeugnis für DICH werden
und uns DEINE Herrlichkeit erkennen lassen.
Verherrliche DICH in uns
zum Zeichen für die Welt
und zu unserem Heil,
denn DU bist würdig,
dass wir DICH loben
und DEIN Erbarmen künden
mit unserem Leben
durch JESUS CHRISTUS
im HEILIGEN GEIST.
Amen.

www.evangelium-vom-tag.de © 04.03.2013 / 12.03.2012 Michaela Voss 



"So versuchen wir, erfüllt von Ehrfurcht vor dem Herrn, Menschen zu gewinnen; Gott aber kennt uns durch und durch. Ich hoffe, dass auch euer Urteil über mich sich zur vollen Wahrheit durchgerungen hat." 2 Kor 5,11