Donnerstag, 28. März 2013

Kelch und Patene - und unser Herz

Von Reichtümern und Dieben

Für die Feier des heiligen Triduums - der drei österlichen Tage des Leidens, des Todes und der Auferstehung unseres Herrn und Erlösers - werden z.B. auch die kostbaren Kelche und Patenen besonders sorgfältig gereinigt und vorbereitet. 


Die Heiligen Geräte sind ein tiefes Sinnbild für den Reichtum der Liebe, die unser Herz durch die Gnade gleichsam "vergoldet", damit wir den Herrn würdig aufnehmen, der sich uns schenken will. 
Gott scheut die Armut unseres Herzens nicht, wie er auch den Stall von Bethlehem nicht scheute. Wenn wir ihm geben, was wir haben, wird er es verwandeln und durch seine Gegenwart heiligen. Die Gnade will uns immer den Reichtum und das hochzeitliche Gewand schenken, das sich deutlich vom "Alltagskleid" unterscheidet. Der Herr lädt alle ein, auch die "von der Straße" kommen, ... aber ohne hochzeitliches Gewand kann man nicht bleiben.  (vgl. Mt 29,9-14)

Gott liebt die Armen - aber es wäre falsch zu denken, dass man Gott deshalb nur geben müsste, was übrig bleibt.
Gott liebt die Armen - aber es wäre fatal zu denken, dass wir selbst die Armut der Welt auch nur ein wenig lindern könnten, ohne zuerst Gott zu ehren - denn von ihm allein kommt der Reichtum, der alle Armut wirklich heilt. 
Dem Herrn gebührt immer das "Ganze", das "Wertvollste", immer aller Ehre, denn er ist würdig. 
Er verwandelt und beschenkt die Armut des Menschen durch den Reichtum seiner Gnade. 

Wo man Gott zuerst alle Ehre und immer das Beste gibt, fließt der Reichtum des Himmels immer über, so dass man auch die Armut der Erde lindern kann. Wo GOTT zuerst kommt, hat die Schöpfung immer genug und im Überfluss. ... 

Gold, Silber, Edelsteine, kostbare Gefäße und edle Materialien, ... 
Verschwendung? 
Sollte die Kirche nicht lieber den Armen helfen? 
Muss man in der Kirche immer so prunkvoll und verschwenderisch sein? 
Müsste die Kirche sich nicht viel eher um die Armen sorgen und all diesen Reichtum besser für die Not der Welt verwenden ...?

"Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt. 
Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben? 
Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte.
Jesus erwiderte: Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue. Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch." (Joh 12,3-8)

Worin besteht die Veruntreuung des Judas im tiefsten Sinn?
Es geht hier weniger nur um unterschlagene Gelder, sondern vielmehr um ein geistliches Gesetz, das in Vergessenheit geraten scheint. 
Es geht hier auch nicht darum, dass man den Armen nicht helfen würde, sondern darum, den größeren Reichtum nicht zu verachten, der uns erst fähig macht, den Armen zu helfen: den Reichtum aus der Fülle der Gnade Gottes, die wir empfangen, wo wir IHM zuerst dienen.

Es geht darum, die rechte Reihenfolge und die Prioritäten zu finden, um nicht zum "Dieb" zu werden, weil man das veruntreut, was einem anvertraut ist. 
Unsere erste Treue gilt Gott und seiner Verherrlichung. Daraus fließt uns alle Gabe zu, die uns befähigt, mehr zu schenken.

Alle Fülle und aller Reichtum kommen zuerst von Gott, denn Gott ist die Fülle.

Wo der Mensch Gott ZUERST die Ehre gibt und wo das erste Gebot lebendig verwirklicht ist, da ist das Reich Gottes gegenwärtig und wirksam. 
Wo Gott den ersten Platz hat, wo Gott der erste Maßstab ist, ... da schöpft der Mensch aus dem Reichtum seiner Gnade.
Wo wir zuerst Gott alles schenken und ihm den Vorrang geben, da erst können wir die Fülle der Gnade empfangen und dieser Reichtum, der uns in der Gnade zur Verfügung steht, ist unendlich viel größer, als alles, was wir selbst zusammentragen oder horten könnten.

Wo wir Gott ehren, da wird Gott uns und die ganze Schöpfung segnen!
Wo wir dem Herrn das Kostbarste weihen, werden wir aus ihm in Überfülle Gaben empfangen.
Wo Gott verherrlicht ist, da ist der Mensch und mit ihm die ganze Schöpfung reich gesegnet!

Wo wir jedoch Gott die Ehre stehlen, weil wir Menschen und irdische Belange als wichtiger erachten, da berauben wie die ganze Schöpfung der Gnade, die fließen könnte, würden wir sie empfangen, durch unseren Gottesdienst.
Wo wir Gott betrügen und ihm nicht geben wollen, was ihm gebührt, da betrügen wir uns selbst und die ganze Schöpfung, weil wir damit den Schlüssel für die Schätze des Himmels verlieren.

Judas wollte seine Veruntreuungen mit sozial-frommen Argumenten verbergen und in seiner Verblendung konnte er nicht ertragen, dass dem Herrn das kostbare Nardenöl geschenkt wurde. Judas kannte nicht den Reichtum, der dem zufließt, der zuerst Gott dient. 

Wenn wir für den Herrn alles zu geben bereit sind, dann werden wir auch für die Menschen alles geben können, denn dann ist es der Herr, der unsere Hände und Herzen erfüllt.

Die kostbaren Kelche und Patenen, sie sind ein Sinnbild für unser Herz.

Wir dürfen uns von der Gnade gestalten lassen, geschmückt mit den Edelsteinen der Gaben des Heiligen Geistes, ziseliert und verziert durch die Geschichte unseres Lebens mit Gott, die uns wunderbare Bilder einprägt. 
Wir dürfen uns von der Gnade gestalten lassen, vergoldet im Licht der Gnade, kostbar, wunderschön und prachtvoll ... durch den Herrn, der uns gestalten und formen darf im Heiligen Geist.
Durch das Sakrament der Versöhnung reinigt der Herr sein wunderbares Werk - unser Herz in seiner Hand - das immer neu unter der "Korrosion durch Sünde" und den "Spuren des Alltags" seinen Glanz verliert ...

Aber gereinigt und erneuert im Erlösungsgeheimnis und im Sakrament werden wir dann zu kostbaren Gefäßen, die den Leib und das Blut des Herrn durch ihn gewürdigt aufnehmen und dann hinaus in die Not der Welt tragen dürfen.
Dann werden wir ein Zeichen der verborgenen Herrlichkeit und Reichtums des Himmels. Dann werden den Herrn zu den Menschen, in die Not, in die Armut aller Schöpfung bringen dürfen.

Geben wir uns niemals nur damit zufrieden, Gott nur "das Nötigste" zu schenken, wenn wir doch aus der Fülle empfangen können, wo wir dem Herrn zuerst die Ehre geben und er uns zu leuchtenden, strahlenden Zeichen seiner Liebe gestalten will.


© Michaela Voss