Freitag, 29. März 2013

Karfreitag - O Haupt voll Blut und Wunden

Das Angesicht des Menschen

Text / Bild © Michaela Voss (Minikarte www.agnus-dei-verlag.de)

Der Mensch - geschaffen als leuchtende Ikone und Ebenbild Gottes - hat durch die Sünde das Heiligste Angesicht verzerrt und den heiligen Glanz verloren. 
In den Wunden des Herrn wird gleichsam die ganze Zerrissenheit und Wunde, all die Entstellung und Würdelosigkeit, all die Hässlichkeit und der Schmerz sichtbar, die durch die Sünde das menschliche Wesen prägen. 
Der Herr wird uns ähnlich - damit wir ihm wieder ähnlich werden können, durch die heilige Wandlungsgnade der Erlösung.

Was für ein Wunder der Liebe, die sich gleichförmig macht, um zu heilen und zu erneuern.




O Haupt voll Blut und Wunden,
Voll Schmerz und voller Hohn,
O Haupt, zum Spott gebunden
Mit einer Dornenkron’,
O Haupt, sonst schön gezieret
Mit höchster Ehr’ und Zier,
Jetzt aber hoch schimpfieret:
Gegrüßet sei’st du mir!


Du edles Angesichte,
Davor sonst schrickt und scheut
Das große Weltgewichte,
Wie bist du so bespeit!
Wie bist du so erbleichet!
Wer hat dein Augenlicht,
Dem sonst kein Licht nicht gleichet,
So schändlich zugericht’t?

Die Farbe deiner Wangen,
Der roten Lippen Pracht
Ist hin und ganz vergangen;
Des blassen Todes Macht
Hat alles hingenommen,
Hat alles hingerafft,
Und daher bist du kommen
Von deines Leibes Kraft.

Nun, was du, Herr, erduldet,
Ist alles meine Last;
Ich hab’ es selbst verschuldet,
Was du getragen hast.
Schau her, hier steh’ ich Armer,
Der Zorn verdienet hat;
Gib mir, o mein Erbarmer,
Den Anblick deiner Gnad’!

Erkenne mich, mein Hüter,
Mein Hirte, nimm mich an!
Von dir, Quell aller Güter,
Ist mir viel Gut’s getan.
Dein Mund hat mich gelabet
Mit Milch und süßer Kost;
Dein Geist hat mich begabet
Mit mancher Himmelslust.
Ich will hier bei dir stehen,
Verachte mich doch nicht!
Von dir will ich nicht gehen,
Wenn dir dein Herze bricht;
Wenn dein Haupt wird erblassen
Im letzten Todesstoß,
Alsdann will ich dich fassen
In meinen Arm und Schoß.

Es dient zu meinen Freuden
Und kommt mir herzlich wohl,
Wenn ich in deinem Leiden,
Mein Heil, mich finden soll.
Ach, möcht’ ich, o mein Leben,
An deinem Kreuze hier
Mein Leben von mir geben,
Wie wohl geschähe mir!

Ich danke dir von Herzen,
O Jesu, liebster Freund,
Für deines Todes Schmerzen,
Da du’s so gut gemeint.
Ach gib, daß ich mich halte
Zu dir und deiner Treu’
Und, wenn ich nun erkalte,
In dir mein Ende sei!

Wenn ich einmal soll scheiden,
So scheide nicht von mir;
Wenn ich den Tod soll leiden,
So tritt du dann herfür;
Wenn mir am allerbängsten
Wird um das Herze sein,
So reiß mich aus den Ängsten
Kraft deiner Angst und Pein!

Erscheine mir zum Schilde,
Zum Trost in meinem Tod,
Und lass mich sehn dein Bilde
In deiner Kreuzesnot!
Da will ich nach dir blicken,
Da will ich glaubensvoll
Dich fest an mein Herz drücken.
Wer so stirbt, der stirbt wohl.

‎O Haupt voll Blut und Wunden ist ein Kirchenlied, das in seiner heutigen Form von Paul Gerhardt (1607–1676) und Johann Crüger (1598–1662) stammt. (Quelle: Wikipedia)



ACHTUNG: Das nachstehende Musikvideo enthält die sehr realitätsnahen Szenen aus dem Film der Passion Christi von Mel Gibson! (Nicht geeignet für Personen unter 16 Jahren)
Videolink: http://youtu.be/TGq0YgFRrXE