Dienstag, 4. März 2014

Asche auf's Haupt - Neue Gedanken zu alten Riten


Die Asche am Aschermittwoch - was bedeutet das?

Am Aschermittwoch versammeln wir uns im Gottesdienst, um gemeinsam den Weg der Umkehr und Buße zu beginnen, damit wir auch gemeinsam das Hochfest der Auferstehung feiern können.
Die Ascheauflegung ist eine Gewohnheit, die viele Menschen pflegen, aber oft nur noch sehr eingeschränkt verstehen und betrachten. Es gehört irgendwie dazu - aber man kann darin mehr als nur eine fromme Gewohnheit finden.

Das Zeichen der Asche ist so vielfältig und kostbar und wert, dass man mehr, als nur ein Symbol oder eine Erinnerung an die Vergänglichkeit erkennt. Die Asche kann uns den Reichtum der Gnade auf ganz neue Weise erschließen. 


Gedanken zum Symbol der Asche

In der hl. Schrift gilt die Asche als Zeichen der Vergänglichkeit, Trauer und des Schmerzes. Das Haupt mit Asche zu bestreuen ist in der hl. Schrift vielfach beschrieben, in Zeiten der Not, als Ausdruck von Klage.

Seit dem 7. Jahrhundert ist der Aschermittwoch bezeugt. 
Büßer (öffentliche Sünder mit schweren Bußauflagen) waren damals in raue Bußgewänder gekleidet und streuten sich Asche aufs Haupt. 

Aus verbrannten Palmzweigen des Vorjahres gewinnt man die Asche, die ihre eigene tiefe Symbolik trägt:

a) Ein Kreis schließt sich: Jahr für Jahr gehen wir dem ewigen Ostermahl der Vollendung entgegen und so schließt sich an die Asche des vergangenen Jubels vom letzten Palmsonntag der neue Festkreis an! Die Vergangenheit, die Tradition, alles Alte wird hinein genommen in den neuen Aufbruch – hin zu Gott, durch Leid und Auferstehung! Jubel und Ernst, Altes und Neues, all das liegt ganz nahe beieinander, in der Asche von diesem Tag!


b) Asche bleibt im Feuer übrig: Im Feuer der Liebe Gottes empfangen wir die Gabe der Umkehr und Erneuerung, die sich offenbart hat im Sohn! Im Feuer der Liebe Gottes wird gleichsam alles Dunkel, Kranke, Verbogene, Böse, Unfruchtbare ... verbrannt und eine neue Grundlage wird geschenkt, denn

c) Asche hat Reinigungskraft. Aus Asche kann man Lauge machen. Damit ist die Asche auf unserem Haupt auch ein Zeichen dafür, dass sich hier die reinigende Kraft der Erlösung in uns entfalten will, die uns für die 40 Tage der Umkehr in besonderer Weise geschenkt ist! 
Wasser löst aus der Asche (vor allem von Harthölzern) die Kaliumsalze und diese Lauge kann z.B. mit Pflanzenöl und ätherischen Ölen (Duft) weiterverarbeitet werden (Kaliseifen / Schmierseifen) 
Im Bild gesprochen dürfen wir in der Ascheauflegung eine kostbare Chance sehen, die uns für die gnadenvollen 40 Tage der österlichen Bußzeit anvertraut wird:

Das Feuer (der Liebe Gottes), 
verbrennt und wandelt das "dürre Hartholz" unseres Lebens (unsere toten, unfruchtbaren, sündigen Werke ...)
im Wasser (der Gnade und der echten Reuetränen...) 
und mit dem Öl (der Heilung und Salbung im Heiligen Geist...)
und dem Duft (der Tugendübungen und der Gnadengaben des Geistes...)
wird zum Gnadenmittel der Reinigung (wie Seifenlauge),
damit wir aufs Neue und rein, mit dem Duft der Heiligung im Erlösungsopfer Christi das Hochfest der Erlösung an Ostern feiern können.


d) Asche ist auch Dünger, und verheißt neues Wachstum und Leben! Besonders das Kalium, das einerseits als reinigende Laugenkomponente ausgewaschen werden kann, ist auch in der Asche die wachstumsfördernde Kraft, mit der man sie als Kali-Dünger nutzt, der auch in der Kompostierung förderlich wirkt.
Mit anderen Worten - das, was uns die Erkenntnis an Umkehr und Reue schenkt, damit wir durch Gottes Vergebung die Reinheit neu erbitten und empfangen können (Offb 7,14), ist auch die Grundlage für unser geistliches Wachstum. "Denn es ist vollendete Gerechtigkeit, dich zu verstehen; und deine Stärke zu kennen ist die Wurzel der Unsterblichkeit." (Weis 15,3) 
"Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden." (Kol 1,14


e) Die Asche wird am Aschermittwoch zuerst gesegnet. Der Segen stellt die Schöpfung in den Gnadenstrom der Herrschaft Gottes. Seine Verheißung, alles fruchtbar zu machen.
sein Heilswille und Segen wird
1. über das Vergangene (die alten Palmzweige) gesprochen und
2. darin die Gegenwart geheiligt (die Asche),
3. damit die Zukunft in Gott geborgen und gehalten sei, durch den Neuanfang der 40 Tage hindurch zum Hochfest der Auferstehung!

"Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn, wer darf stehn an seiner heiligen Stätte? Der reine Hände hat und ein lauteres Herz, der nicht betrügt und keinen Meineid schwört. Er wird Segen empfangen vom Herrn und Heil von Gott, seinem Helfer." (Ps 24,3-5)

f) Das Kreuzzeichen auf Stirn oder übers Haupt 
In Form eines Kreuzes wird den Gläubigen die Asche aufs Haupt gestreut oder auf die Stirn gezeichnet. Dazu gibt es viele Bibelstellen. Eine kleine Auswahl zum Nachdenken:

„Es sei dir ein Zeichen an der Hand und ein Erinnerungsmal an der Stirn, damit das Gesetz des Herrn in deinem Mund sei.“ (Ex 13,9)
„Höre Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen. Du sollst sie denen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst. Du sollst sie als Zeichen um das handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden.“ (Dtn 6,4-8)
„Segen ruht auf dem Haupt des Gerechten“ (Spr 10,6)



f) Gebet (1) bei der Auflegung der Asche
„Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehen wirst.“
Üblicherweise denken wir hier an die Vergänglichkeit des Daseins, an die Ausrichtung und Neuorientierung auf die ewigen Werte.
Hinter diesen Worten steckt jedoch ein tieferer Segen Gottes.

Staub ist etwas Unfruchtbares, Totes!
Durch die Sünde ist in uns vieles abgestorben, verkümmert, unfruchtbar geworden. Die Sünde aber wird hier zurückgewiesen, zu ihrem Ursprung – zum Bösen, wie im Buch Genesis, wo der Staub ein Fraß der Schlange wird. (Gen 3,14) 
Hier sind beide Elemente vereint: Das Wort vom Staub und die Erde, die Asche - das Tote, Verlorene und die Erneuerung und Neuschöpfung.

Gott verheißt Leben: 
Asche auf den Staub legen, bedeutet Fruchtbarkeit verheißen, für den Acker unseres Lebens - Neuschöpfung auf Umkehr und Tod ...!
Es darf aller "Staub" mit der Lauge der "Asche-Umkehr" abgewaschen werden - gewaschen im reinigenden Bad der Umkehr und Buße, im Blut des Lammes, in der Besinnung auf Taufe und im Bußsakrament, in der Versöhnung mit Gott, mit uns selbst und den anderen.

Achermittwoch und seine "geistliche Formel"
Asche + Wasser der Gnade + Feuer der Liebe Gottes (+ Öl des Heiles und Duft der Gnade)
= Reinigung von allem „Staub des Todes", neue Fruchtbarkeit und Leben
= österliches, weißes Gewand der Gnade und die würdige Feier des Hochfestes der Auferstehung!


f) Gebet (2) bei der Auflegung der Asche
„Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium" 

Diese Worte sind die Worte Jesu aus Mk 1,15 und Paulus ermahnt uns: "Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen?" (1Kor 15,2) 


Die Asche auf unserem Haupt erinnert uns daran, dass wir getauft und in Christus zu neuem Leben berufen sind.

"Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? 

Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein. Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn. Denn durch sein Sterben ist er ein für allemal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus. Daher soll die Sünde euren sterblichen Leib nicht mehr beherrschen, und seinen Begierden sollt ihr nicht gehorchen.  Stellt eure Glieder nicht der Sünde zur Verfügung als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch Gott zur Verfügung als Menschen, die vom Tod zum Leben gekommen sind, und stellt eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit in den Dienst Gottes. Die Sünde soll nicht über euch herrschen; denn ihr steht nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade." ( Röm 6,3-14)


Das Aschekreuz auf unserer Stirn ist eine großartige, sichtbare Predigt zu Beginn der heiligen Zeit, die uns zur Umkehr und zur Erneuerung ruft, weil Gott würdig ist, dass wir Sein Erlöserwerk ernst nehmen und fruchtbar werden lassen in unserem Leben.

Eine gesegnete, österliche Bußzeit!
m.voss + d.knopf

© Michaela Voss

Gedanken zum "Fasten, wie es Gott gefällt" und  "Beichte"



© www.agnus-dei-verlag.de

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