Sonntag, 23. Dezember 2012

4. Adventssonntag - Vom Tau des Himmels

4. Adventssonntag


Rorate caeli 
desuper,
et nubes pluant iustum:
aperiatur terra,
et germinet Salvatorem.
Tauet Himmel, 
von oben,
ihr Wolken, regnet den Gerechten:
Es öffne sich die Erde
und sprosse den Heiland hervor.




Wenn wir im Eröffnungsvers des heutigen 4. Adventssonntags das allbekannte "Rorate caeli desuper" hören, dann ist das ein wunderbarer Auftakt, der direkt vor der Ankunft des Erlösers steht.
Der "Tau aus Himmelshöhen", der "Regen aus den Wolken des Himmels" - was für kostbare Bilder, die in sich eine solchen Reichtum bergen, dass dies heute kurz angedacht sein soll.

Der Tau ist hier ein Zeichen mit tiefer Aussage:
Tau "fällt" nicht im eigentlichen Sinn, sondern er entsteht, wenn wärmere Luft abkühlt, die mit Feuchtigkeit gesättigt ist. Die Menge der Feuchtigkeit, die von der Luft aufgenommen werden kann, hängt direkt mit der Temperatur zusammen (wärmer - mehr bzw. kühler - weniger Aufnahmekapazität)

Was ist also Tau?
Sobald die Temperatur unter den Taupunkt gesunken ist, kondensiert das Wasser der Luft auf abgekühlten Gegenständen zu Tau und zwar dort, wo die Luftschichten der Erdoberfläche am nächsten sind. 


Man kann dies im Gleichnis auf das Geheimnis der Menschwerdung des Herrn übertragen (dabei bleibt es freilich ein unvollkommenes Gleichnis):
Gott selbst - im Hauch des HL. Geistes - ist gleichsam gesättigt mit der Fülle aller Heiligkeit, Herrlichkeit ... und senkt sich herab in die kalte Nacht der Erde. 
Er berührt im Wort des Engels das heiligste Geschöpf, das der Erde am nächsten ist, aber dennoch auch dem Himmel und so zum Berührungspunkt zwischen Himmel und Erde wird: MARIA!

In dieser Berührung von Himmel und Erde, in diesen Gegensätzen von ewig und zeitlich, von unsterblich und vergänglich, ... wird sichtbar und bildet eine neue Gestalt, was ewig unfassbar bleibt in der "gesättigten Fülle Gottes" - nämlich der SOHN GOTTES! 
Er nimmt die Gestalt des Menschen im Schoße der reinsten Jungfrau an und wird gleichsam "sichtbar wie der Tau", der sich niederlegt. 


Wo der "Gefrierpunkt der Sünde" gleichsam kein lebenspendendes Wasser an den dürstenden Boden der Schöpfung weitergibt, sondern schon auf der Oberfläche zu "Eis" erstarren lässt und nichts wachsen, blühen kann - da ist Maria, die unbefleckte Jungfrau von aller Sündenstarre bewahrt.
Maria ist wie ein heiliges Gefäß, das sowohl die "Kühle der Geschöpflichkeit" besitzt, aber ohne das "Gefrieren der Sünde".
Sie ist gleichsam der heilige "ORT", an dem sich der "Tau  der gesättigten Fülle des Hauches Gottes" niederschlagen kann und keine Sünde die Gnade in sich erstarren läßt ... 
Maria ist der heilige "Ort", der das "lebendige Wasser der Gnadenfülle" gleichsam aufnehmen kann, ... damit die dürre Erde benetzt werde durch die Gnade des Erlösers, der alles wieder zum ewigen Leben zurück führen will ...
"Tauet, ihr Himmel, von oben! Ihr Wolken, regnet herab den Gerechten!
Tu dich auf, o Erde, und sprosse den Heiland hervor!"

Maria ist der "Heilige Ort", der "Neue Boden", die "Neue Erde", woraus Gottes Liebe - wie aus neuem, heiligen Paradiesesboden - den "Neuen Menschen" hervorgehen lässt - JESUS CHRISTUS - unseren Heiland und Erlöser und ein neues Volk aus IHM.

Der Herr nimmt Wohnung am Ort, den Er erwählt, geheiligt und bereitet hat!

Wie kostbar ist es, wenn wir schon auf die ersten Worte der heutigen Liturgie achten und sie ehrfürchtig erwägen! 
In ihnen erschließen sich die anderen Worte der Liturgie und der Hl. Schrift in neuer Weise!

In der Heiligen Taufe ist auch uns die kostbare Gabe geschenkt, dass wir heiliger "Tempel", geweihter "Ort", neuer, fruchtbarer "Boden" sein dürfen, der vom Heiligen Geist berührt und von den Wassern der Gnade getränkt, das ewige Leben erben dürfen und Frucht bringen für die Ewigkeit! Der "Tau der Gnade" will sich auch auf uns legen und das Leben Gottes schenken, für uns und für die ganze Schöpfung!

Maria - neue Paradieses-Erde - bitte für uns!
Maria - heiligstes Zelt Gottes - erster, lebendiger Tabernakel - bitte für uns!
Maria - heilige Bundeslade und Wohnstätte Gottes - bitte für uns! 
Maria - leuchtende Monstranz, in der sich das Geheimnis
Gottes sichtbar offenbart - bitte für uns! 

Maria - lebendiger Tempel und Ort der Anbetung - bitte für uns! 
Maria - heiligster Ort der Gegenwart Gottes - bitte für uns! 
Maria - erster, lebendiger Altar, auf dem sich der Sohn Gottes dem Vater darbringen wollte - bitte für uns!
Maria - erster, neuer Mensch - bitte für uns!

Maria - Wahl Gottes - bitte für uns!Maria - Geliebte Gottes - bitte für uns! 
Maria - heiligster Ort  - bitte für uns!...
Maria - geliebte Tochter des Vaters - bitte für uns! 

Maria - geliebte Mutter des Sohnes - bitte für uns! 
Maria - geliebte Braut des Heiligen Geistes - bitte für uns!...
dass Gott, der Herr, uns heiligt
Ihm zur Ehre und uns zum Heil!


O Herr - nimm Wohnung am Ort, den Du erwählst!
Komm und wohne auch in mir 

da Du mich erwählt hast in Jesus Christus 
und zum heiligen Tempel geweiht.
O Herr - nimm Wohnung am Ort, den Du erwählst!
Komm - Herr, komm - und bleibe!



© 18.12.2011/23.12.2012 Michaela Voss


Rorate - Marco Frisina: http://youtu.be/67QxeSuMStE



Rorate Heinrich Schütz SWV 322 - Rorate coeli desuperhttp://youtu.be/XSsPaC84J38



Heinrich Isaac Rorate, caeli: http://youtu.be/_VAiQRP3080