Mittwoch, 31. Oktober 2012

Jetzt einlösen! Große "Nachlass-Aktion" pünktlich zu Allerseelen!

Wer hat den "Bonus" schon eingelöst?

Der Ablass im Jahr des Glaubens - ein verachtetes Geschenk der Liebe Gottes?
Es ist schon erstaunlich, wie gut wir kalkulieren.
Egal, ob man ein Auto oder einfach nur Gemüse einkaufen geht, man ist normalerweise preisbewusst und vergleicht die Konditionen. Man nutzt Aktionen, reizt Rabatte aus und fast jeder freut sich im Regelfall, wenn man wieder einmal ein "Schnäppchen" gemacht hat, bei dem man ein wenig das Gefühl genießen darf, etwas Schönes erworben und doch noch etwas gespart zu haben. 

Wie auch immer man zu Gutscheinen, Rabatt-Cupons oder Sparpreisaktionen stehen mag, die wenigsten Leute würde doch in einem Geschäft darauf bestehen, dass sie den höheren Preis zahlen wollen und darauf verzichten, sich den Bonus zu sichern.

Es dürfte jedenfalls äußerst selten vorkommen, dass man Leute beschimpft, kritisiert oder verachtet ... die ein Sonderangebot nutzen. 
Höchstens in versnobten Kreisen rümpft man die Nase, wenn hier nicht alles überdimensional teuer eingekauft wurde, um damit Status, Prestige und Wohlstand zu demonstrieren. 
Wenn jemand einerseits so viel Geld hat, dass nur das Teuerste eben noch recht ist - und dennoch andererseits so arm ist, dass er unter dem Status-Zwang steht, sich nichts Günstigeres leisten zu können, ist das ein ganz eigenes Kuriosum, über das man im Normalfall selbst nicht nachdenken muss.
Die wenigsten Leute sind so reich, dass sie schon wieder arm sind, weil sie sich das "Normale und Einfache" nicht mehr leisten können.

Im Alltag jedenfalls funktionieren Werbung und Wirtschaft offensichtlich hervorragend mit dem System von "Sonderangebot", "Aktions-Woche" oder "Bonus-Programmen" und die Kunden honorieren solche Offerten mit gesteigertem Interesse und Lust am Kaufen.


Als das Jahr des Glaubens kurz vor seiner Eröffnung stand, hat die zuständige Stelle in Rom (Pönitentierie) am Fest Kreuzerhöhung verkündet, dass die Kirche Geschenke der Gnade in Form von Ablässen gewähren wird. 
Die Texte dazu, einige Erklärungen, Verweise und die Bedingungen, um von diesen "geistlichen Boni" zu profitieren, findet man HIER

Um das Geschenk besonderer heiliger Ablässe während des Jahres des Glaubens zu erlangen, sind besondere Frömmigkeitsübungen zu vollbringen

Seltsam! Irgendwie scheint aber die großartige Chance beinahe von Niemandem so richtig wahrgenommen zu werden. 

Wo wir uns sonst keinen Vorteil entgehen lassen, stellt man hier eine traurige Lethargie fest, die das Angebot der Gnade nicht haben will, nicht nutzen will, nicht kennen und nicht kennen lernen will.
Vielleicht liegt es daran, dass man nur die Missstände zu Luthers Zeiten "kennt" (und das recht unvollständig und einseitig) und darum das Wort "Ablass" schon fast etwas an sich hat, wofür man sich schon beinahe schämen möchte, so als wäre es etwas ganz Absurdes und Ungutes.

Doch bei allem Respekt vor lutherischen Argumenten - wir dürfen und sollten uns als Katholiken auch wieder einmal besinnen, dass man sich nicht über Jahrhunderte "fremd-schämen" muss, sondern der Gnade Gottes wieder der Vorrang gebührt - und um die geht es ja letztlich auch beim Thema Ablass!

Aus dem Reichtum der Gnade Gottes ist uns angeboten, dass wir für uns selbst oder für eine verstorbene Seele im Läuterungszustand das Geschenk der Güte Gottes empfangen dürften.
Wenn schon nicht für mich selbst - aber warum nicht für die, die sich nicht mehr selber helfen können und nun alles darum geben würden, wenn sie noch einmal die Chance hätten, die wir jetzt im Leben dieser Weltzeit haben.


Wir gedenken im Monat November im Besonderen der Verstorbenen.

Was nützt schon ein prächtiges Blumengebinde oder Grabgesteck einer Menschenseele, die im irdischen Leben die Gnade nicht wirklich genutzt hat und nun in den "Geburtswehen" der letzten Wandlungsgnade erst in die Vollendung hinein finden darf, die sie sich im Leben nicht schenken ließ!
Was nützen all die Worte und Grabbesuche, wenn wir nicht erbitten, was ihnen noch fehlt und ihnen schenken, was uns für sie anvertraut wäre?

Der Mensch hat ein ganzes Leben von Gott geschenkt bekommen, um aus der Fülle der Gnade in den Sakramenten, in all den Heilsangeboten der Liebe Gottes vollendet zu werden - doch Hand auf's Herz - wie ernst nehmen wir das?
Wem ist heute noch bewusst, dass dieses Leben zuallererst das ewige Leben bereiten darf?
Gott schenkt uns in Fülle, was uns helfen wollte, dass wir dieses Ziel erreichen - und wo wir das in dieser Lebenszeit nicht vollenden, dürfen wir vollends durch die Läuterung nach dem Tod hinein wachsen.
"So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen." (Eph 4,13) 
"Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin." (Phil 3,12)

Es ist fraglos wahr, dass der Herr bereits alles für uns getan hat!
Es ist wahr, dass Jesus am Kreuz unsere Schulden beglichen und uns erlöst hat!
Es ist wahr und richtig, dass der Erlöser uns alles errungen hat und uns das Heil geschenkt ist.

Das ist alles wahr und richtig und unbestritten und das sind auch die Argumente derer, die meinen, dass man darum nicht mehr füreinander beten braucht und dass wir alles sofort in den Himmel kämen, wenn wir gestorben sind.
Der Herr hat wahrhaft ALLES getan und uns ALLES geschenkt!

ABER: Ein Problem bleibt - denn ein Geschenk nutzt nur soviel - als es auch angenommen ist und "ausgepackt" wird, genutzt und wirklich zu eigen gemacht wird!


Wenn wir uns darauf berufen wollen, 
dass Jesus für uns alles getan hat, 
dass Gott gut ist, 
dass Gott barmherzig ist, 
dass Gott uns vergeben will,
dass Gott uns heilen und zu sich holen will,
dass der universale Heilswille Gottes Gültigkeit besitzt und darum immer Hoffnung ist, ... 

dann müssten wir konsequenter Weise auch 
dieses Erbarmen mit offenem Herzen empfangen,
die Güte Gottes wirksam werden lassen, indem wir seine Gnaden auch nutzen,
die Erlösung annehmen, und auch bewahren wollen,
diese Vergebung erbitten und unsere Schuld reumütig und hoffnungsfroh bekennen,
die Heilung annehmen, indem wir unsere Wunden nicht leugnen und so tun, als wäre alles in Ordnung, ...

Wenn wir also vom guten Gott sprechen - gleichzeitig aber ohne ihn leben wollen, ihm unser Leben nicht anvertrauen wollen, nichts von ihm erwarten und ihm auch nichts geben wollen, ...
wie soll Gott uns dann schenken - was wir nicht haben wollen?
Wie soll Gott uns heilen - wenn wir die "Krankheit" leugnen und uns verweigern?
Wie soll Gott uns helfen - wenn wir seine helfende Hand abweisen, weil wir alles allein regeln wollen?
Wie soll Gott uns mit Gnade erfüllen - wenn wir ein von Sünden durchlöchertes Herz haben, das diese Gaben nicht bewahrt, sondern gleich verliert, wie ein Gefäß, das voller Löcher ist?
Wie soll Gott uns die Hände für die Mitmenschen füllen - wenn wir mit geballter Faust nur unser eigenes Recht einfordern und anklagend uns verweigern?

Wie können wir über die Nöte in dieser Welt klagen und lamentieren und uns beschweren, dass unser Menschenwerk nicht ausreicht, um die Schwierigkeiten zu lösen, ...
und gleichzeitig die unfassbare Gnadenfülle Gottes einfach ignorieren, verschwenden, unbeachtet und unfruchtbar vorübergehen lassen?

So heiter die obige Grafik wirken mag - sie ist doch auch Ausdruck für einen letzten Versuch, mit der Sprache unserer Zeit und den gewohnten Eindrücken für diese vergessenen Gnaden zu "werben", die wir nicht beachten und so ungenutzt verschwenden.


Foto © Michaela Voss
Es ist ein Geschenk der Liebe Gottes, das uns angeboten ist. 
Wie traurig, wenn der Mensch diese Gabe nicht haben will, sondern in seinem Stolz und blindem Selbstbetrug so tut, als ob Vergebung und Heilung nicht nötig wären, als ob alles schon so richtig sei, wie es ist - und die Güte des Herrn einfach ignoriert.

In unserem Leben ähneln wir oft einem obdachlosen, oder hochverschuldeten Menschen, der krank, allein, in vielfacher Hinsicht verwahrlost ist ... und nun von einem gütigen Spender einen Blankoscheck und ein unfassbares Angebot für ein neues Leben bekommt.
Was würden wir sagen, wenn dieser heimatlose, hungernde Mensch sagen würde:
"Nein - einen Blankoscheck? Das brauche ich nicht, denn meine Lage ist einfach "menschlich" und so etwas passiert eben! Ich kenne viele, denen es genauso geht und das ist eben so. Da kann man nichts machen und man muss das einfach verstehen."

Wenn ihm nun dennoch angeboten würde, dass er eine Wohnung, eine ehrenvolle, erfüllende Aufgabe, ein sicheres Einkommen, ja ein großartiges Erbe antreten könnte, wenn er nur mitkäme um den Scheck einzulösen, die Wohnungsschlüssel abzuholen und dass er nur das neue Leben mit dem Alten eintauschen müsste...?
Wie seltsam wäre es, wenn dieser arme Mensch dann im Schmutz sitzen bliebe, weiter klagend, verzweifelt und elend bettelnd sich wieder seinem ausgebeulten Spendenbecher zuwenden und das ganze dann begründen würde, mit solchen oder ähnlichen Worten:
"Meine Situation kann ich aber psychologisch erklären! Es ist ganz normal, dass ich verlaust, schmutzig und hungrig bin. So ist das in der Gosse! Das hat alles schon einen wichtigen Grund und auch eine Geschichte, ...  Da war in meinem Leben ... und ich kann halt nichts dafür, dass ich so bin."
...
Doch der Herr ist Mensch geworden, um diese Fesseln zu lösen, um die Bindungen und Verkettungen von Schuld und Sündenfolge zu durchbrechen, damit wir als Kinder des ewigen Königs leben dürften.
Königskinder - zu Erben des Himmels sind wir berufen - wir müssten nur aufstehen, einsehen und bekennen, dass wir diese Hilfe benötigen, sie empfangen möchten, und lernen wollen, wie man als Königskind lebt (statt wie ein Straßenräuber).

Wie eigenartig wäre es, wenn ein Mensch in tiefster Not beim Angebot eines neuen Lebens dann nur weiter jammern würde und resigniert einfach die alten Ausreden parat hätte: 
"Ich brauch' das nicht! ... Ich schaffe das nicht! Das kann ich nicht leisten! Das wäre mir peinlich! ..."

Jesus steht heute vor uns und reicht uns seine durchbohrte Hand, um unsere Wunden zu heilen!
Jesus steht heute vor uns und hat mit seinem kostbaren Blut alle Schuld bezahlt, um uns von Sünde reinzuwaschen und uns in die Gewänder des Heils zu kleiden!
Jesus steht heute vor uns und bietet uns das Erbe des Himmels an, die Schlüssel zu den Schätzen der Gnade und die Herrlichkeit der Kinder Gottes!
Jesus steht auch heute wieder vor uns und will uns aus dem Tod der Welt, aus der Vergänglichkeit unserer irdischen Sorgen, Nöte und Bedrängnisse ... heraus heben und uns an seinem göttlichen, geöffneten Herzen bergen, um uns zum Vater zu tragen ...

Wie könnten wir da sagen, dass wir das nicht brauchen, weil doch alles erklärbar, begründbar ist, was in unserem Leben dunkel und krank ist, weil ..., weil ..., weil ...?
Wie könnten wir uns umdrehen und sagen, dass wir das nicht wollen, weil es uns peinlich wäre, unsere Schuld einzugestehen und die Gnade anzunehmen, die uns das Leben schenken wollte?
Wie könnten wir uns abwenden, weiter unser Elend beklagen, nach Schuldigen, nach Gründen und vergangenen Ursachen forschen, .. damit wir anschließend noch mehr jammern und hadern können, ... weil wir ja so "arm" sind und doch "nichts dafür können" ... statt ETWAS DAGEGEN zu tun und die durchbohrte Hand ergreifen, um uns retten zu lassen.

"Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft - Gott hat es geschenkt - nicht aufgrund eurer Werke, damit keiner sich rühmen kann." (Eph 2,8)

Was es dazu braucht, ist nur die Demut (= Mut zur Wahrheit), die uns freimütig unsere Armut bekennen lässt, damit wir die Fülle des Erbarmens Gottes empfangen können.
Was ist denn z.B. so dramatisch ein einer guten, heiligen Beichte - im Gegensatz zu einem Leben, in dem man sich mit Ausreden, Begründungen, Ursachenforschung, Schuldzuweisungen, Schuldgefühlen, ... plagt?

Alles hat der Herr für uns bereits bereitet, will uns ausrüsten, ausstatten, uns reich beschenken, so dass wir sogar aus ihm heraus das Gute zu tun in der Lage sind und uns nicht alleine abquälen müssen!
Das Wort von Paulus ist so wunderbar und ermutigend: "Seine Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus dazu geschaffen, in unserem Leben die guten Werke zu tun, die Gott für uns im Voraus bereitet hat."

An uns ist es nun, ob wir diese Gabe annehmen, umkehren, die Erlösung immer neu annehmen ... oder ob wir weiterhin unsere kostbare Lebenszeit (und mit uns auch das Leben all derer, die mit uns verbunden sind) im Todesdunkel der Sünde und ihrer Folgen verschwenden wollen, der uns so bereits umgibt, noch bevor wir gestorben sind - wenn wir das Leben in Christus ablehnen."


Wie kann das konkret aussehen? Was könnte man also tun?

Dazu im nächsten Artikel mehr 


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